USA: Harvard-Forscherin flieht vor Trump nach Mannheim
Die Sozialwissenschaftlerin Dr. Eirliani Abdul Rahman ist Anfang März 2026 mit einer Förderung der Baden-Württemberg Stiftung an die Universität Mannheim gewechselt. Das Programm für internationale Wissenschaftsfreiheit unterstützt sie mit rund 1,8 Millionen Euro für zunächst drei Jahre, mit Option auf Verlängerung um weitere drei Jahre.
Die aus Singapur stammende Forscherin war 2022 aus dem Trust and Safety Council von Twitter zurückgetreten – aus Protest gegen den starken Anstieg von Hassrede nach der Übernahme der Plattform durch Elon Musk. Sie promovierte an der Harvard University im Bereich Public Health und arbeitete zuvor über ein Jahrzehnt mit dem Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi in Indien gegen Kinderhandel und sexuellen Missbrauch von Kindern.
Abdul Rahman forscht nun am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES). In ihrem Projekt „Trafficking Risks: AI for Proactive Protection“ (TRAPP) entwickelt sie bis Ende 2027 einen Prototypen für ein KI-gestütztes Tool, das Muster des Kinderhandels in Indien erkennen und Strafverfolgungsbehörden bei der Prävention unterstützen soll. Ein Pilotprojekt läuft derzeit im Bundesstaat Odisha.
Die Forscherin begründete ihren Wechsel nach Deutschland mit zunehmenden Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit in den USA nach dem Amtsantritt der neuen Regierung unter Donald Trump im Januar 2025. In Mannheim fühle sie sich erstmals seit langer Zeit wieder sicher und frei in ihrer Arbeit.

„Ich bin erst seit wenigen Tagen in Mannheim und fühle mich komplett anders. Es ist einfach beruhigend, nicht ständig auf der Hut sein zu müssen und nicht ständig überlegen zu müssen, ob mich eine neue präsidiale Verordnung betrifft und in meiner Freiheit einschränkt“, sagt die Singapurerin und ehemalige Diplomatin
Das Projekt führt sie gemeinsam mit Prof. Marc Ratkovic durch, Inhaber des Lehrstuhls für Social Data Science an der Universität Mannheim. Ratkovic, der selbst 2023 von der Princeton University nach Mannheim gewechselt war, hatte sie für das Förderprogramm nominiert.
Dr. Abdul Rahman gilt als Expertin für Online-Sicherheit und digitale Belästigung. Sie war früher Diplomatin Singapurs und arbeitete unter anderem an den Botschaften in Berlin und Delhi. Nach ihrem Rücktritt bei Twitter forschte sie als Research Affiliate am Minderoo Centre for Technology and Democracy der Universität Cambridge und als Senior Fellow an der Georgetown University.
Die Baden-Württemberg Stiftung und die Universität Mannheim sehen in der Förderung ein Zeichen für den Schutz der Wissenschaftsfreiheit und die Attraktivität des Forschungsstandorts Deutschland.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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