UKL führt als erste Klinik in Deutschland zwei Nierentransplantationen mit maschineller Perfusion durch

von | Jan. 29, 2026 | Forschung, Gesundheit

Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) hat als erste Klinik in Deutschland zwei Nierentransplantationen unter Einsatz der maschinellen Perfusion erfolgreich durchgeführt. Die Eingriffe erfolgten nur einen Tag nach Inkrafttreten der überarbeiteten Richtlinie der Bundesärztekammer zur Nierentransplantation am 19. Januar 2026.

Bei der maschinellen Perfusion werden entnommene Organe während des Transports kontinuierlich mit einer speziellen Konservierungslösung durchspült und je nach Verfahren mit Sauerstoff versorgt. Im Vergleich zur herkömmlichen kalten Lagerung bleiben die Organe dadurch besser mit Nährstoffen versorgt. Das Verfahren reduziert Ischämie-Schäden durch fehlende Durchblutung sowie Reperfusionsschäden, die bei der Wiederdurchblutung nach der Implantation entstehen können. Ziel ist eine schonendere Organerhaltung, eine bessere funktionelle Beurteilung vor der Transplantation und langfristig verbesserte Transplantatfunktionen.

Für die maschinelle Perfusion nutzt die Deutsche Stiftung Organtransplantation den LifePort® Kidney Transporter. Zwei Geräte dieses Typs kamen bei Nierentransplantationen am UKL zum Einsatz. | Quelle: Jörn Glasner | Copyright: UKL
Für die maschinelle Perfusion nutzt die Deutsche Stiftung Organtransplantation den LifePort® Kidney Transporter. Zwei Geräte dieses Typs kamen bei Nierentransplantationen am UKL zum Einsatz. | Quelle: Jörn Glasner | Copyright: UKL

Die beiden Nieren stammten von einem über 70-jährigen hirntoten Spender und wurden einer weiblichen sowie einer männlichen Empfängerin transplantiert. Die Transplantationen wurden von zwei spezialisierten Teams unter Leitung von Prof. Dr. med. Hans-Michael Tautenhahn und Prof. Dr. med. Daniel Seehofer durchgeführt. Beide Organe entwickeln sich nach Angaben des UKL erfreulich gut.

Der Spender erfüllte die erweiterten Kriterien der neuen Richtlinie, die Nieren von Personen über 60 Jahren sowie von 50- bis 59-Jährigen mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck, eingeschränkter Nierenfunktion oder Schlaganfall als Todesursache einbezieht. Dadurch konnte die maschinelle Perfusion bereits bei dieser Organspende angewendet werden.

„Maschinelle Perfusion stellt einen bedeutenden wissenschaftlichen und klinischen Fortschritt in der Organerhaltung dar“, erklärte Prof. Tautenhahn, stellvertretender Bereichsleiter Hepatobiliäre Chirurgie und viszerale Transplantation. Eine europaweite Studie im New England Journal of Medicine (DOI: 10.1056/NEJMc2406608), an der das Leipziger Team beteiligt war, belege die Vorteile. Das Verfahren ermögliche schonenderen Transport, geringere Transplantatschäden und eine direkte funktionelle Beurteilung des Organs.

Nieren sind in Deutschland das am häufigsten transplantierte Organ und machen nahezu die Hälfte aller Organtransplantationen aus. Gleichzeitig bilden Nierenpatienten den größten Anteil auf der Warteliste. Aufgrund des anhaltenden Organmangels, des steigenden Alters und der Vorerkrankungen der Spender müssen Transplantationszentren Organe besonders sorgfältig auswählen und effizient nutzen.

Maschinelle Perfusion wird international seit Jahren bei Leber und Herz eingesetzt und ermöglicht längere Transportzeiten sowie die Berücksichtigung marginaler Organe. Sie eröffnet zudem Perspektiven für die Untersuchung und künftige therapeutische Verbesserung von Organen während der Perfusion – ein Ansatz, der am UKL intensiv erforscht wird.

Die erforderlichen Geräte und Materialien stellt die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) allen geeigneten Kliniken zur Verfügung. Die DSO organisiert neben der Organspende auch den europaweiten Organtransport.

Prof. Tautenhahn dankte dem Organspender und seiner Familie, der DSO, den Transportteams, dem Spenderkrankenhaus sowie dem interdisziplinären Team am UKL. Der erfolgreiche Einsatz markiere einen wichtigen Meilenstein und zeige das Potenzial von Innovation, klaren Strukturen und Teamarbeit in der modernen Transplantationsmedizin.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

Gender-Hinweis. Die in diesem Text verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen. Auf eine Doppel/Dreifachnennung und gegenderte Bezeichnungen wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.

X
Ich bin Invi, wie kann ich dir helfen?