Tübinger Forschende entwickeln gezieltes Immunzytokin gegen akute myeloische Leukämie

von | Jan. 23, 2026 | Forschung, Gesundheit

Ein Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Helmut Salih hat ein modifiziertes Immunzytokin entwickelt, das gezielt Immunzellen gegen Leukämiezellen aktiviert. Das Projekt am Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung am DKFZ-Partnerstandort Tübingen wurde von der Wilhelm Sander-Stiftung mit 528.000 Euro über sechs Jahre gefördert.

Die akute myeloische Leukämie zählt zu den aggressivsten Formen des Blutkrebses. Sie verursacht unkontrolliertes Wachstum unreifer Blutzellen im Knochenmark, verdrängt die normale Blutbildung und weist eine schlechte Prognose auf. Weniger als die Hälfte der erwachsenen Patienten überlebt länger als fünf Jahre. Neue Immuntherapien zielen darauf ab, das körpereigene Abwehrsystem spezifisch gegen Krebszellen zu mobilisieren.

Das neuartige Molekül verbindet einen therapeutischen Antikörper mit dem Zytokin Interleukin-15. Dieses Zytokin wurde so modifiziert, dass es inaktiv bleibt, bis der Antikörper an eine Leukämiezelle bindet. Erst dann wird es aktiv und stimuliert das Immunsystem. Dieser Ansatz vermeidet die unspezifische Immunaktivierung klassischer Immunzytokine, die zu schweren Nebenwirkungen führt und therapeutische Dosen unmöglich macht.

Das MIC12-Molekül besteht aus einem Antikörper gegen CLEC12A und einer modifizierten IL-15-Zytokin-Einheit. Es bringt NK-Zellen gezielt zu Leukämiezellen, aktiviert sie nach deren Erkennung und verstärkt die Antikörper-vermittelte Abtötung. | Copyright: © Helmuth Salih
Das MIC12-Molekül besteht aus einem Antikörper gegen CLEC12A und einer modifizierten IL-15-Zytokin-Einheit. Es bringt NK-Zellen gezielt zu Leukämiezellen, aktiviert sie nach deren Erkennung und verstärkt die Antikörper-vermittelte Abtötung. | Copyright: © Helmuth Salih

In Laborversuchen und Tiermodellen zeigten die Moleküle eine stark gesteigerte Aktivierung von Immunzellen im Vergleich zu konventionellen Antikörpern, eine drastisch reduzierte unerwünschte Immunreaktion sowie ein verlängertes Überleben ohne Toxizitätszeichen.

Die Ergebnisse bieten Potenzial nicht nur für die Behandlung der akuten myeloischen Leukämie, sondern auch für andere Krebsarten. Das Projekt baut auf früheren Entwicklungen des Teams auf, darunter Fc-optimierte Antikörper mit verbesserter Immunaktivierung, die bereits klinisch getestet wurden.

Mit der präklinischen Validierung ist ein Meilenstein erreicht. Die Erkenntnisse bilden die Basis für klinische Studien zur Überprüfung von Sicherheit und Wirksamkeit bei Patienten. Das geförderte Vorhaben trägt zur Entwicklung gezielter, nebenwirkungsarmer Immuntherapien gegen Blutkrebs bei.

Originalpublikationen:

1. Zekri et al., Science Translational Medicine 2024. DOI:10.1126/scitranslmed.adh1988

2. Klimovich et al., Frontiers in Immunology 2025.
DOI: 10.3389/fimmu.2025.1561823


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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