Todesfalle Krankenhaus: Fachleute sehen dringenden Handlungsbedarf bei Herz-Kreislauf-Stillständen in Kliniken
In deutschen Krankenhäusern kommt es jährlich zu rund 28.000 bis 38.000 Herz-Kreislauf-Stillständen außerhalb von Intensivstationen und Operationssälen. Trotz sofortiger Reanimationsmaßnahmen in 91 Prozent der Fälle überleben nur etwa 20 Prozent der Betroffenen. Das ergaben Hochrechnungen des Deutschen Reanimationsregisters, die bei den Bad Boller Reanimations- und Notfallgesprächen 2026 vorgestellt wurden.
Die Expertenrunde der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI), des Berufsverbands Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten (BDA) und des Deutschen Reanimationsregisters widmete sich erstmals schwerpunktmäßig der innerklinischen Reanimation. Besonders häufig treten solche Notfälle auf Normalstationen und in öffentlich zugänglichen Bereichen auf, wo Patienten nicht kontinuierlich überwacht werden.
Die Überlebensraten und die Rate der erfolgreichen Wiederherstellung des spontanen Kreislaufs (ROSC) unterscheiden sich zwischen den Kliniken erheblich. Die Experten sehen darin ein klares Verbesserungspotenzial. Viele der Ereignisse ließen sich durch bessere Früherkennung vermeiden, andere könnten mit optimierten Abläufen erfolgreicher behandelt werden.

Als zentrale Ansatzpunkte nannten die Fachleute:
- Einführung standardisierter Frühwarnsysteme (Early Warning Scores) zur Früherkennung kritischer Zustände
- Einheitliche, niedrigschwellige Notfallrufnummern innerhalb der Kliniken
- Strukturierte Medical Emergency Teams, die frühzeitig alarmiert werden
- Regelmäßiges Reanimationstraining (BLS/ALS) für alle beteiligten Berufsgruppen
- Konsequente Nutzung von Register- und Routinedaten zur Qualitätsverbesserung
- Klare Dokumentation des Patientenwillens im Rahmen von Advanced Care Planning
In Schweden zeige die systematische Nutzung solcher Daten bereits Erfolge bei der flächendeckenden Verbesserung der Versorgungsqualität. In Deutschland nehmen derzeit nur etwa 20 Prozent der Kliniken am Deutschen Reanimationsregister teil.
Zur Umsetzung der Maßnahmen startet im April 2026 die „innerklinische Resuscitation Academy Deutschland“ (iRAD) unter dem Dach der DGAI. Zwölf Kliniken beteiligen sich zunächst an dem zweijährigen Programm, das Strukturen, Abläufe und Trainingskonzepte nach internationalen Empfehlungen nachhaltig verbessern soll.
Die Experten betonten, dass eine bessere innerklinische Reanimationsversorgung nicht nur Leben retten, sondern auch aufwendige Intensivbehandlungen vermeiden könne.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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