Studie zeigt neuen Weg zur Duftrekonstruktion in Museen

von | Feb. 5, 2026 | Forschung

Eine in der Fachzeitschrift Frontiers in Environmental Archaeology veröffentlichte Studie beschreibt, wie biomolekulare Daten aus archäologischen Funden in wissenschaftlich fundierte Geruchsrekonstruktionen umgesetzt werden können. Der Ansatz eröffnet Museen und Kultureinrichtungen neue Möglichkeiten für Storytelling, Wissensvermittlung und immersive Ausstellungen.

Fortschritte in der biomolekularen Archäologie belegen, dass historische Objekte neben sichtbaren Spuren auch molekulare Rückstände früherer Duft- und Aromapraktiken bewahren. Diese ermöglichen Einblicke in Parfümerie, Medizin, Rituale und Alltag vergangener Gesellschaften.

Unter Leitung der Archäochemikerin Barbara Huber vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie und der Universität Tübingen entwickelte ein interdisziplinäres Team einen Forschungsrahmen, der solche biomolekularen Daten in erlebbare Duftrekonstruktionen überführt. Beteiligt waren unter anderem die Duft-Storytelling-Beraterin Sofia Collette Ehrich sowie die Parfümeurin Carole Calvez.

Zentraler Bestandteil war die Erstellung eines olfaktorischen Briefings, das naturwissenschaftliche Analysen mit der Praxis der Parfümerie verbindet. Darauf aufbauend entstanden Duftkompositionen, die chemische Signaturen historischer Materialien in stimmige, für Museumskontexte geeignete Gerüche übersetzen. Die Rekonstruktion berücksichtigt dabei die Komplexität des Gesamteindrucks und nicht nur isolierte Einzelkomponenten.

Duftkarte „Der Duft des Jenseits“. Die Essenz des reproduzierten Duftes wird mittels Duftdruck in das Papier eingebracht. | Quelle: Michelle O’Reilly | Copyright: Ehrich SC, Calvez C, Loeben CE, Dubiel U, Terp Laursen S and Huber B(2026) From biomolecular traces to multisensory experiences
Duftkarte „Der Duft des Jenseits“. Die Essenz des reproduzierten Duftes wird mittels Duftdruck in das Papier eingebracht. | Quelle: Michelle O’Reilly | Copyright: Ehrich SC, Calvez C, Loeben CE, Dubiel U, Terp Laursen S and Huber B(2026) From biomolecular traces to multisensory experiences

Zur praktischen Umsetzung entwickelte das Team zwei Formate: tragbare Duftkarten und fest installierte Duftdiffusionsstationen. Beide wurden am Beispiel einer Rekonstruktion des altägyptischen Mumifizierungsprozesses erprobt, die den Titel „The Scent of the Afterlife“ („Duft der Ewigkeit“) trägt.

Im Museum August Kestner in Hannover wurde die Duftkarte in geführte Rundgänge integriert, wo sie einen neuen Zugang zur Thematik der Mumifizierung eröffnet – weg von gängigen Klischees hin zu einem besseren Verständnis der antiken Praktiken und ihrer kulturellen Bedeutung. Im Moesgaard Museum in Aarhus (Dänemark) kam in der Ausstellung „Ancient Egypt – Obsessed with Life“ eine Duftstation zum Einsatz, die Besuchern eine emotionale und sensorische Ergänzung zu den textlichen und visuellen Inhalten bot.

Die Studie zeigt, wie molekulare Spuren der Vergangenheit in kulturell bedeutsame, multisensorische Erfahrungen transformiert werden können. Ziel ist es, Museen konkrete Werkzeuge bereitzustellen, um historische Umgebungen und Praktiken durch Geruch und weitere Sinne näherzubringen.

Original paper:

From Biomolecular Traces to Multisensory Experiences: Bringing Scent Reproductions to Museums and Cultural Heritage.
Sofia Collette Ehrich, Carole Calvez, Christian E. Loeben, Ulrike Dubiel, Steffen Terp Laursen and Barbara Huber
Publikation: Frontiers in Environmental Archaeology
DOI: 10.3389/fearc.2025.1736875


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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