Sildenafil zeigt vielversprechende Wirkung bei Leigh-Syndrom

von | März 12, 2026 | Forschung, Gesundheit

Ein internationales Forschungsteam hat Sildenafil als potenzielles Therapeutikum für das Leigh-Syndrom identifiziert. Die Forschenden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU), des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD), der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Fraunhofer-Instituts für Translationale Medizin und Pharmakologie (ITMP) Hamburg konnten in Zellmodellen, Hirnorganoiden und Tierversuchen eine Verbesserung des Energiestoffwechsels und der Zellfunktion nachweisen. Bei sechs Patientinnen und Patienten in individuellen Heilversuchen zeigte der Wirkstoff positive Effekte und wurde gut vertragen. Die Ergebnisse erschienen am 10. März 2026 im Fachjournal „Cell“.

Das Leigh-Syndrom ist eine seltene, angeborene Mitochondriopathie, die meist im Kindesalter auftritt und zu schweren neurologischen Schäden führt. Typische Symptome sind Entwicklungsstörungen, epileptische Anfälle, Muskelschwäche und Atemversagen. Bislang gibt es keine zugelassene medikamentöse Therapie; die meisten Betroffenen versterben innerhalb weniger Jahre nach Diagnosestellung.

Mikroskopaufnahme eines dreidimensionalen Hirnorganoids, wie es in der Studie eingesetzt wurde (rot: neuronale Vorläuferzellen; blau: Neuronen). | Quelle: Stephanie Le, AG Prigione | Copyright: HHU

Die Forschenden nutzten Hautzellen von Patientinnen und Patienten, um induzierte pluripotente Stammzellen zu erzeugen und daraus Nervenzellen sowie Hirnorganoide zu entwickeln. In einem umfangreichen Screening mit über 5.500 Wirkstoffen – teilweise bereits zugelassen und mit umfassenden Sicherheitsdaten – erwies sich Sildenafil als vielversprechend. Der Wirkstoff, der bei Erwachsenen zur Behandlung von Erektionsstörungen und bei Kindern bei Lungenhochdruck eingesetzt wird, verbesserte in den Modellen den mitochondrialen Stoffwechsel und die Zellfunktion.

Die positiven Effekte bestätigten sich in Hirnorganoiden und Tiermodellen. Anschließend wurde Sildenafil in individuellen Heilversuchen bei sechs Patientinnen und Patienten eingesetzt – zunächst an der Charité, später auch in Düsseldorf, München und Bologna. Bei allen Betroffenen zeigten sich rasche Erholung aus Krisensituationen, neurologische Besserung und Zunahme der Muskelkraft. Aufgrund der Ergebnisse erhielt Sildenafil von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) den Status eines Orphan-Arzneimittels.

Die Studie entstand im Rahmen des von der Europäischen Kommission finanzierten Konsortiums CureMILS unter Koordination von Prof. Dr. Alessandro Prigione (HHU/UKD). Beteiligt waren neben den genannten Einrichtungen Forschungsgruppen aus Deutschland, Österreich, Finnland, den Niederlanden, Polen, Italien, Griechenland und den USA.

Das laufende Horizon-Konsortium SIMPATHIC, dem Prigione und Prof. Dr. Markus Schülke (Charité) angehören, plant derzeit eine placebokontrollierte klinische Studie, um die Wirksamkeit und Sicherheit von Sildenafil bei einer größeren Patientengruppe zu prüfen. Ziel ist eine mögliche Zulassung durch die EMA.

Das Leigh-Syndrom tritt mit einer Häufigkeit von etwa einem Fall je 36.000 Lebendgeburten auf und zählt zu den seltenen Erkrankungen. Die geringe Fallzahl erschwert die Forschung erheblich.

Original Paper:

Pluripotent stem-cell-based screening uncovers sildenafil as a mitochondrial disease therapy: Cell


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

Gender-Hinweis. Die in diesem Text verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen. Auf eine Doppel/Dreifachnennung und gegenderte Bezeichnungen wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.

X
Ich bin Invi, wie kann ich dir helfen?