PXR: Neuer Mechanismus erklärt hormonelle Störungen durch Chemikalien

von | März 12, 2026 | Forschung, Gesundheit

Forschende der Universität Oulu haben einen bisher unbekannten Mechanismus entdeckt, über den bestimmte Arzneimittel und Umweltchemikalien das Gleichgewicht der Geschlechtshormone beeinflussen können. Im Zentrum steht der Pregnan-X-Rezeptor (PXR), der als Sensor für chemische Belastungen gilt und die Leber bei der Verarbeitung von Medikamenten reguliert. Die Studie zeigt, dass PXR auch die Produktion des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG) steuert – eines Proteins, das Testosteron und Östrogen im Blut transportiert und deren freie, biologisch aktive Menge bestimmt.

In der Untersuchung erhielten gesunde Probanden eine Woche lang das Antibiotikum Rifampicin, einen der stärksten bekannten PXR-Aktivatoren. Bei fast allen Teilnehmern verdoppelten sich die SHBG-Werte im Blut; bei Männern stieg zusätzlich der Gesamttestosteronspiegel. Zellversuche bestätigten, dass Rifampicin die SHBG-Produktion in Leberzellen ankurbelt – ein Effekt, der bei Blockade von PXR ausblieb.

Symbolbild. Credits: Pixabay
Symbolbild. Credits: Pixabay

Die Forschenden sehen darin einen neuen indirekten Weg, über den Chemikalien die Verfügbarkeit von Geschlechtshormonen verändern können. PXR wird durch eine breite Palette von Stoffen aktiviert – darunter bestimmte Medikamente, Nahrungsbestandteile sowie Umweltchemikalien wie Pestizide, Flammschutzmittel und Kunststoffzusätze. Die Entdeckung könnte erklären, warum solche Substanzen das Hormonsystem stören.

Die Ergebnisse eröffnen nach Einschätzung der Wissenschaftler neue Möglichkeiten, die hormonellen Auswirkungen von Arzneimitteln und Umweltbelastungen vorherzusagen und sicherere Substanzen zu entwickeln. Sie unterstreichen zudem die Bedeutung von PXR als zentralem Regulator im menschlichen Hormonhaushalt.

Die Studie erschien am 11. März 2026 im Fachjournal Basic & Clinical Pharmacology & Toxicology.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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