Psychiater starten Datenbank für Biomarker

von | Jan. 19, 2026 | Forschung, Gesundheit

Psychiater und Neurowissenschaftler haben eine zentrale Referenzdatenbank für Biomarker in der Psychiatrie ins Leben gerufen. Das Projekt soll die Forschung zu messbaren physiologischen Markern bündeln und so zu objektiveren Diagnosen von psychischen Erkrankungen beitragen. Die Initiative wird vom European College of Neuropsychopharmacology geleitet und von der britischen Stiftung Wellcome gefördert. Der Start erfolgte am 16. Januar 2026 in Amsterdam.

Im Gegensatz zu anderen medizinischen Disziplinen basiert die Psychiatrie bisher weitgehend auf patientenberichteten Symptomen, Verhaltensbeobachtungen und standardisierten Diagnosehandbüchern. Biomarker, die physiologische Tests ermöglichen, fehlen weitgehend. Die laufende Forschung zu solchen Markern ist fragmentiert. Die neue Datenbank soll diese Lücke schließen, indem sie Biomarkerstudien zu Angststörungen, Depressionen und Psychosen systematisch katalogisiert und zugänglich macht. Das Ziel ist eine Präzisionspsychiatrie, die biologische, verhaltensbezogene und klinische Daten integriert. Dadurch sollen Ursachen von Erkrankungen statt nur Symptome in den Fokus rücken, um personalisierte Behandlungen zu ermöglichen.

Die Datenbank wird als frei zugängliche Online-Ressource aufgebaut. Sie ermöglicht Forschern, ihre Arbeit in den Gesamtkontext einzuordnen, verwandte Projekte zu identifizieren und Erkenntnisse oder Herausforderungen auszutauschen. Im Rahmen des Projekts organisiert das European College of Neuropsychopharmacology Treffen und Workshops mit Beteiligten aus der Forschung, Patientenorganisationen, Regulierungsbehörden und der Pharmaindustrie. Bereits durchgeführte Veranstaltungen haben Vertreter von Organisationen wie der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde, der Europäischen Arzneimittel-Agentur, der Europäischen Psychiatrischen Vereinigung und der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung einbezogen.

Symbolbild. Credits: Pixabay
Symbolbild. Credits: Pixabay

Die Förderung durch Wellcome umfasst ein 30-monatiges Projekt zur Kartierung und Konsensbildung rund um Biomarker in der Psychiatrie. Die Initiative gilt als Grundlage, um die Präzisionspsychiatrie zu etablieren. Langfristig soll sie die Sicht auf psychische Gesundheit verändern und Diagnosen sowie Behandlungen testbarer machen. Die Datenbank hilft, komplexe und schnell wachsende Forschungsfelder zu navigieren und die Qualität der Versorgung zu verbessern. Betroffene sollen durch passendere Therapien zur richtigen Zeit profitieren.

Das Projekt adressiert ein zentrales Defizit in der Psychiatrie: Die Abhängigkeit von subjektiven Kriterien erschwert Fortschritte. Durch die Sammlung quantitativer Daten zu biologischen Mechanismen entstehen Möglichkeiten, Untergruppen von Erkrankungen zu identifizieren und gezielt anzugehen. Die Beteiligung internationaler Stakeholder unterstreicht die Breite des Ansatzes. Patientenvertretungen wie die europäische Organisation für psychisch Erkrankte tragen zur Ausrichtung bei, um praktische Relevanz zu sichern.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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