Palforzia-Ende: Kinder weltweit bald ohne orale Immuntherapie bei Erdnussallergie
Der Hersteller Stallergenes Greer hat die weltweite Einstellung des Vertriebs von Palforzia angekündigt. Das Präparat zur oralen Immuntherapie bei Erdnussallergie wird bereits in Kürze nicht mehr verkauft. Mit dem Marktrückzug entfällt die einzige zugelassene medikamentöse Behandlungsoption für diese Patientengruppe in der EU. Insbesondere Kinder sind betroffen. Der Hersteller hat einen geordneten Ausstieg angekündigt. Andere Ansätze wie epikutane Immuntherapien befinden sich in der Entwicklung, sind jedoch noch nicht zugelassen.
Der Rückzug erfolgt freiwillig aus strategischen und kommerziellen Gründen und steht dem Hersteller zufolge in keinem Zusammenhang mit der Sicherheit, Qualität oder Wirksamkeit des Medikaments.

Palforzia war das erste und bislang einzige in der EU zugelassene Arzneimittel zur Desensibilisierung bei Kindern mit Erdnussallergie. Es erhielt 2020 die Zulassung für Patienten im Alter von 4 bis 17 Jahren und 2025 eine Erweiterung auf Kinder von 1 bis 3 Jahren. In Deutschland war eine Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen gegeben.
Erdnussallergie stellt bei Kindern die häufigste Ursache für schwere, potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktionen dar. Betroffene müssen eine strikte Erdnussmeidung einhalten und stets Notfallmedikamente einschließlich Adrenalin-Autoinjektor bereithalten. Unbeabsichtigte Aufnahmen von versteckter Erdnuss bleiben trotz Vorsichtsmaßnahmen häufig.
Palforzia wird in einer schrittweisen Dosissteigerung verabreicht. Die Therapie beginnt mit sehr geringen Mengen Erdnussprotein und erreicht eine tägliche Erhaltungsdosis von 300 mg Erdnussprotein (entsprechend etwa einer Erdnuss). Klinische Zulassungsstudien zeigten, dass 67 bis 68 Prozent der behandelten Kinder im Alter von 4 bis 17 Jahren eine deutlich höhere Reaktionsschwelle erreichten (Toleranz gegenüber etwa 600 mg Erdnussprotein) gegenüber nur 4 bis 9 Prozent in der Placebogruppe. Bei Kindern von 1 bis 3 Jahren lag die Erfolgsrate bei 74 Prozent gegenüber 6 Prozent unter Placebo. Häufig traten milde bis moderate Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Kribbeln im Mund auf, seltener schwerere Reaktionen.
Die Therapie verbesserte die individuelle Sicherheit vor akzidentellen Expositionen und führte zu einer Steigerung der Lebensqualität. Betroffene Familien gewannen dadurch mehr Spielraum bei Kindergarten-, Schul- und Freizeitaktivitäten.
Stallergenes Greer ist ein global tätiges Biopharma-Unternehmen mit Sitz in Baar (Schweiz). Es spezialisiert sich auf die Diagnose und Behandlung von Allergien durch Allergen-Immuntherapie (AIT).
Das Unternehmen entwickelt, produziert und vermarktet Produkte und Dienstleistungen zur personalisierten Allergiebehandlung, darunter sublinguale und subkutane Immuntherapien gegen Atemwegsallergien sowie spezialisierte Extrakte. Es gilt als einer der weltweiten Marktführer in diesem Bereich und betont Präzisionsmedizin sowie personalisierte Therapien.
In den USA ist Stallergenes Greer mit Hauptsitz in Lenoir (North Carolina) vertreten und bietet unter anderem Allergie-Extrakte für Mensch und Tier (veterinär) an. Das Unternehmen verfügt über mehr als 100 Jahre Erfahrung in der Allergieforschung und -therapie.
Stallergenes Greer war der Inhaber und Vermarkter von Palforzia®, der ersten zugelassenen oralen Immuntherapie gegen Erdnussallergie bei Kindern, die jedoch ab Juli 2026 weltweit eingestellt wird.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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