Neue S3-Leitlinie für gezielten Einsatz von Reserveantibiotika bei multiresistenten Erregern

von | März 3, 2026 | Forschung, Gesundheit

Angesichts weltweit zunehmender Antibiotikaresistenzen ist in Deutschland eine neue S3-Leitlinie zur Behandlung schwerer Infektionen mit multiresistenten Bakterien veröffentlicht worden. Das Dokument mit dem Titel „Antibiotikatherapie schwerer Infektionen mit multiresistenten Bakterien“ (MRETher, AWMF-Registernummer 067-011) soll Intensivmedizinern und Klinikärzten helfen, Reserveantibiotika bei schwerkranken Patienten präzise und verantwortungsvoll einzusetzen.

Die Leitlinie zielt darauf ab, optimale Heilungschancen für Betroffene zu sichern und gleichzeitig den sparsamen Umgang mit diesen letzten Therapieoptionen zu gewährleisten. Sie richtet sich vor allem an Fachärzte auf Intensivstationen, die Patienten mit lebensbedrohlichen Infektionen durch multiresistente gram-negative und andere Erreger behandeln.

Koordiniert wurde das Werk federführend von Prof. Dr. Sören Gatermann (Ruhr-Universität Bochum, Abteilung für Medizinische Mikrobiologie) und Prof. Dr. Matthias Pletz (Universitätsklinikum Jena, Institut für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene). Insgesamt 14 Fachgesellschaften und eine Patientenorganisation aus Deutschland und Österreich waren beteiligt, darunter die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) als federführende Gesellschaft. Die Erstellung erfolgte über mehr als zwei Jahre und wurde unter anderem durch den Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert.

Credits: AWMF
Credits: AWMF

Die Leitlinie gibt konkrete Empfehlungen zur mikrobiologischen Diagnostik, zur Bestimmung von Resistenzmechanismen und zum gezielten Einsatz neuerer oder kombinierter Wirkstoffe mit oft engem Spektrum. Besonders bei multiresistenten gram-negativen Bakterien – mit rund 100 Erregerarten und etwa 10.000 Resistenzmechanismen – sei ein hochspezifischer Einsatz unerlässlich, um weitere Resistenzentwicklungen zu vermeiden.

Die Autoren betonen den gesellschaftlichen Charakter von Antibiotika: Anders als bei vielen anderen Medikamenten beeinflusse deren Anwendung durch Selektionsdruck nicht nur den einzelnen Patienten, sondern die gesamte Bevölkerung. Jeder Einsatz müsse daher besonders verantwortungsvoll erfolgen.

Original Paper:

AWMF Leitlinienregister


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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