Neue S3-Leitlinie fordert zielgerichtetes Tuberkulose-Screening für Zuwanderer
Pünktlich zum Welttuberkulosetag hat die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) die neue S3-Leitlinie „Tuberkuloseprävention bei neu zugewanderten Menschen“ veröffentlicht. Die Leitlinie schlägt eine grundlegende Neustrukturierung des bisherigen Screenings vor und soll unnötige Untersuchungen vermeiden sowie Hochrisikogruppen besser erreichen.
Derzeit werden alle in Gemeinschaftsunterkünften untergebrachten Zuwanderer gesetzlich auf Tuberkulose untersucht – unabhängig von Herkunftsland oder individuellen Risiken. Die neue Leitlinie empfiehlt stattdessen ein risikobasiertes Vorgehen: Neu Zugewanderte aus Ländern mit einer Tuberkulose-Inzidenz von mehr als 100 pro 100.000 Einwohner sollen ein Screening-Angebot erhalten. Bei Personen bis 35 Jahre soll zusätzlich auf eine latente Tuberkulose-Infektion (TBI) getestet und bei positivem Befund eine präventive Therapie angeboten werden.

Zusätzlich sollen individuelle Risikofaktoren wie Vorerkrankungen, Mangelernährung oder belastende Fluchtumstände berücksichtigt werden. Dadurch sollen vorhandene Ressourcen gezielter und effizienter eingesetzt werden.
Die derzeitige nationale Strategie zur Tuberkulosekontrolle sei nicht ausreichend, betonte die federführende Autorin Dr. Brit Häcker vom Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) und Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI). Die wissenschaftliche Leiterin der Leitlinie, Prof. Berit Lange (HZI und Medizinische Hochschule Hannover), ergänzte, dass mit dieser Leitlinie eine in Europa einmalige evidenzbasierte Grundlage geschaffen worden sei.
Die S3-Leitlinie wurde in den vergangenen drei Jahren unter Beteiligung von Betroffenen, Public-Health- und Individualmedizin-Experten erstellt und vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert. Sie richtet sich nicht nur an Ärztinnen und Ärzte, sondern auch an die Politik.
Deutschland könnte mittelfristig eines der ersten Länder weltweit werden, das die EndTB-Strategie der WHO erreicht, wenn die neuen Empfehlungen umgesetzt werden.
Die Leitlinie ist ab sofort auf der Website der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) abrufbar.
Original Paper:
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
Gender-Hinweis. Die in diesem Text verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen. Auf eine Doppel/Dreifachnennung und gegenderte Bezeichnungen wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.




