NCT/UCC Dresden startet zwei wegweisende Projekte zur Versorgung krebskranker Kinder
Anlässlich des Internationalen Kinderkrebstages am 15. Februar 2026 macht das Kinderonkologische Zentrum am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden auf zwei neue Versorgungsprojekte aufmerksam. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen mit Krebserkrankung sowie ihren Familien unabhängig vom Wohnort Zugang zu bestmöglicher universitärer Versorgung zu ermöglichen.
Krebs im Kindes- und Jugendalter ist mit etwa 0,5 Prozent aller Krebserkrankungen selten, hat jedoch wegen der langen Lebenserwartung und möglichen Langzeitfolgen hohe Bedeutung. Neben medizinischen Belastungen belasten hohe Besuchsfrequenzen in spezialisierten Zentren, weite Fahrtwege und organisatorische Herausforderungen viele Familien erheblich.
Das Zentrum unter Leitung von Prof. Denis Schewe ist durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert und behandelt alle Erkrankungen der Kinder-Hämatologie und -Onkologie, einschließlich Stammzelltransplantationen und moderner Zelltherapien. Jährlich kommen rund 100 Kinder und Jugendliche mit neuer Krebsdiagnose hinzu; das Einzugsgebiet umfasst Ostsachsen, Teile Südbrandenburgs und das Vogtland.
Ped-Onko-SAX: Digitale Plattform für ganz Sachsen
Zum 1. Januar 2026 startete Ped-Onko-SAX den Aufbau einer digitalen Versorgungsplattform für krebskranke Kinder in Sachsen. Sie soll Telemedizin, Heimdiagnostik, kontinuierliches medizinisches und neuropsychologisches Monitoring sowie niedrigschwelliges Selbstmanagement ermöglichen. Damit wird eine Versorgung auf universitärem Niveau unabhängig vom Wohnort angestrebt, während Fahrtzeiten und Belastungen für Familien reduziert werden. Ein Schwerpunkt liegt auf der aktiven Einbindung von Patienten und Familien. Projektpartner sind die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Dresden, die MedicalSyn GmbH und der Sonnenstrahl e.V. Dresden. Die Förderung erfolgt im Rahmen des EFRE-Programms „Innovative Ansätze im Bereich der Gesundheits- und Pflegewirtschaft“ 2021–2027.

KOMNET-SAX: Mobiles Netzwerk für wohnortnahe Versorgung
Seit Dezember 2025 läuft die Konzeptphase von KOMNET-SAX – KinderOnkologisches Mobiles Netzwerk –, gefördert durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses. Partner sind die Kinderonkologien in Chemnitz und Cottbus, die Evangelische Hochschule Dresden, die Universitätsmedizin Magdeburg, die pro:med GmbH sowie die Techniker Krankenkasse, BARMER und IKK-classic. Kern sind Hausbesuche durch speziell qualifizierte „Advanced Practice Nurses“ (APNs), die ambulante oder tagesklinische Visiten teilweise ersetzen sollen. Ziel ist Kostensenkung bei gleichzeitiger Verbesserung der Lebensqualität der Kinder. Im Juni 2026 soll der Vollantrag eingereicht werden; das beantragte Volumen beträgt rund sechs Millionen Euro für vier Jahre.
Parallel zur Versorgungsforschung liegt ein Schwerpunkt auf neuen Therapien. Leukämien machen fast 30 Prozent aller kindlichen Krebserkrankungen aus. Heute können rund 90 Prozent geheilt werden, doch die Therapien verursachen oft schwere Langzeitfolgen wie neuro-kognitive Einschränkungen, Wachstumsstörungen oder Herzprobleme. Die Dresdner Forschung konzentriert sich daher auf gezieltere Strategien bei akuter lymphoblastischer Leukämie (ALL): antikörperbasierte Therapien, zielgerichtete Kombinationen und präzisionsmedizinische Ansätze. Mithilfe funktioneller Genomik (z. B. CRISPR-Screenings) werden molekulare Angriffspunkte identifiziert sowie Resistenz- und Rückfallmechanismen untersucht. Langfristiges Ziel ist eine Halbierung der Chemotherapieintensität innerhalb der nächsten zehn Jahre und die Entwicklung neuer Optionen, die auch für andere kindliche Krebserkrankungen nutzbar sind.
Prof. Esther Troost (Dekanin der Medizinischen Fakultät TU Dresden und Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie) und Prof. Uwe Platzbecker (Medizinischer Vorstand UKD und Hämatologie-Experte) unterstreichen die Bedeutung interdisziplinärer Forschung und den Transfer neuer, zielgerichteter Ansätze in die klinische Praxis.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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