NAKO-Studie: Mentale Belastung durch Pandemie bis 2022 deutlich gestiegen

von | Feb. 23, 2026 | Forschung, Gesundheit

Die COVID-19-Pandemie hat in Deutschland zu einer anhaltenden Verschlechterung der mentalen Gesundheit geführt. Eine Analyse der NAKO Gesundheitsstudie mit rund 80.000 Erwachsenen zeigt, dass depressive Symptome, Angstsymptome und Stress bis Herbst 2022 signifikant zunahmen – besonders bei jüngeren Erwachsenen unter 40 Jahren und bei Frauen.

Die Studie wertete Daten von 79.239 Teilnehmenden aus. Diese wurden zu drei Zeitpunkten befragt: vor der Pandemie (2014–2019), im Frühjahr 2020 (frühe Pandemiephase) und im Herbst 2022 (späte Pandemiephase). Verwendet wurden standardisierte Fragebögen zu depressiven Symptomen, Angst, Stress und selbst wahrgenommener Gesundheit.

Der Anteil der Personen mit depressiven Symptomen stieg von 5,9 Prozent vor der Pandemie auf 9,7 Prozent im Herbst 2022. Moderate bis schwere Angstsymptome nahmen von 3,9 Prozent auf 6,2 Prozent zu, moderater bis starker Stress von 4,1 Prozent auf 10,2 Prozent. Die Gruppe mit gleichzeitiger Belastung durch alle drei Symptome mehr als verdoppelte sich bis zur späten Pandemiephase.

SARS-CoV-2. Credits: CDC
SARS-CoV-2. Credits: CDC

Die selbst eingeschätzte Gesundheit entwickelte sich zunächst positiv: Im Frühjahr 2020 stieg der Anteil derer, die ihre Gesundheit als „sehr gut“ bewerteten, von 36,5 Prozent vor der Pandemie auf 44,4 Prozent. Bis Herbst 2022 kehrte sich der Trend um – nur noch 30,5 Prozent berichteten „sehr gute“ Gesundheit, während Angaben zu „weniger guter“ Gesundheit etwa doppelt so häufig waren wie vor der Pandemie.

Besonders betroffen waren jüngere Erwachsene unter 40 Jahren sowie Frauen. In diesen Gruppen traten häufiger Verschlechterungen der mentalen Gesundheit und der selbst wahrgenommenen Gesundheit auf. Ältere Teilnehmende und Männer zeigten dagegen öfter stabile oder sogar verbesserte Verläufe.

Die Pandemie hat Spuren in der mentalen Gesundheit hinterlassen – und zwar nicht nur kurzfristig, sondern bis in die späten Phasen hinein, erklärte Prof. Dr. Annette Peters, Vorstandsvorsitzende des NAKO e.V. und Direktorin des Instituts für Epidemiologie bei Helmholtz Munich. Die Ergebnisse deuteten auf eine langanhaltende Veränderung hin, die auch nach dem Wegfall vieler Schutzmaßnahmen bestehen blieb.

Erstautorin Yanding Wang, Doktorandin bei Helmholtz Munich, betonte, dass jüngere Menschen und Frauen stärker von den psychologischen Folgen betroffen waren. Das Forscherteam zieht den Schluss, dass dauerhaft niedrigschwellige Angebote zur Förderung der psychischen Gesundheit notwendig sind, um eine zusätzliche Krankheitslast zu verhindern.

Die NAKO Gesundheitsstudie ist die größte bevölkerungsbezogene Längsschnittstudie in Deutschland. Sie ermöglicht durch ihre umfassenden Daten vor, während und nach der Pandemie einzigartige Einblicke in die langfristigen Auswirkungen. Die fortlaufenden Untersuchungen sollen zeigen, wie sich die beobachteten Veränderungen weiter entwickeln.

Original Paper:

Veränderungen der mentalen Gesundheit während der COVID-19-Pandemie – Deutsches Ärzteblatt


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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