Münchner Studien belegen sichere Alternativen in Tuberkulosetherapie

von | Juli 10, 2025 | Forschung, Gesundheit

Zwei internationale klinische Studien unter Leitung des Tropeninstituts des LMU Klinikums München und Partnerinstitutionen haben die Sicherheit und Wirksamkeit der Antibiotika Sutezolid und Delpazolid als Alternativen zu Linezolid bei der Behandlung multiresistenter Tuberkulose nachgewiesen. Die Wirkstoffe zeigten starke antimikrobielle Aktivität und bessere Verträglichkeit. Die Ergebnisse erschienen am 8. Juli in zwei Artikeln im Fachjournal The Lancet Infectious Diseases. Deutsche Partner waren das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung in München, das Fraunhofer Institute for Translational Medicine and Pharmacology, das Center for International Health am LMU Klinikum sowie Helmholtz Munich.

Symbolbild. Credits: Pixabay
Symbolbild. Credits: Pixabay

Linezolid ist seit 2022 Teil des von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen BPaLM-Schemas zur sechsmonatigen Behandlung multiresistenter Tuberkulose, zusammen mit Bedaquilin, Pretomanid und Moxifloxacin. Die Verkürzung der Therapiedauer von 18 Monaten war ein Fortschritt, doch Linezolid verursacht häufig schwere Nebenwirkungen wie Anämie oder Optikusneuropathie, die dauerhaft sein können und Therapieabbrüche erzwingen.

Sutezolid und Delpazolid, beide aus der Oxazolidinon-Klasse, weisen geringere Toxizität auf. In den Phase-IIb-Studien SUDOCU und DECODE wurden sie erstmals mit Bedaquilin, Delamanid und Moxifloxacin kombiniert und bei Patienten mit medikamentensensibler Lungentuberkulose in Südafrika und Tansania getestet. Beide Wirkstoffe erwiesen sich als besser verträglich.

Sutezolid demonstrierte über alle Dosierungen antibakterielle Wirkung ohne Neuropathie oder hämatologische Toxizität, was es für längere Anwendungen geeignet macht, obwohl eine finale Dosierungsempfehlung aussteht. Delpazolid steigerte die Wirksamkeit der Kombination bei einer täglichen Dosis von 1200 Milligramm über 16 Wochen, erreichte optimale Wirkstoffspiegel und verursachte keine Nervenschäden oder hämatotoxischen Effekte.

Die Studien im Rahmen des Pan-African Consortium for the Evaluation of Anti-Tuberculosis Antibiotics verglichen Dosierungen hinsichtlich Aktivität, Exposition und Sicherheit. Die Ergebnisse deuten auf sicherere Optionen für Tuberkulosepatienten hin, insbesondere bei längeren Therapien.

Weitere Studien mit größeren Gruppen und optimierten Kombinationen sind geplant. Bei Bestätigung könnten die Wirkstoffe eine Schlüsselrolle in zukünftigen Therapien übernehmen.

Die SUDOCU-Studie wurde durch das EDCTP2-Programm der Europäischen Union, das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie die Nederlandse Organisatie voor Wetenschappelijk Onderzoek gefördert, ergänzt vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung. Otsuka stellte Delamanid kostenlos zur Verfügung, Sequella lieferte Sutezolid. Die DECODE-Studie finanzierte LigaChem Biosciences unter Nutzung von PanACEA-Strukturen, mit kostenlosem Delamanid von Otsuka.

Original Papers:

Delpazolid in combination with bedaquiline, delamanid, and moxifloxacin for pulmonary tuberculosis (PanACEA-DECODE-01): a prospective, randomised, open-label, phase 2b, dose-finding trial – The Lancet Infectious Diseases

Sutezolid in combination with bedaquiline, delamanid, and moxifloxacin for pulmonary tuberculosis (PanACEA-SUDOCU-01): a prospective, open-label, randomised, phase 2b dose-finding trial – The Lancet Infectious Diseases

The patient pursuit of safe treatment options for tuberculosis – The Lancet Infectious Diseases


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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