Militärforschung an der MHH: System zur Konservierung amputierter Gliedmaßen in Arbeit
Ein Team der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) unter Leitung von Prof. Dr. Bettina Wiegmann und Prof. Dr. Kirsten Haastert-Talini arbeitet an einem innovativen Extremitäten-Care-System, das abgetrennte Gliedmaßen nach traumatischen Amputationen bis zur Wiederverpflanzung erhalten soll. Die Studie wurde in Military Medical Research veröffentlicht und vom Bundesministerium der Verteidigung gefördert.
Traumatische Amputationen, etwa durch Verkehrsunfälle oder Kriegsverletzungen, nehmen weltweit zu – in Deutschland sind es jährlich etwa 56.000 Fälle. Nur wenige Spezialkliniken bieten autologe Replantationen an, bei denen die Gliedmaße wieder angenäht und funktionsfähig gemacht wird. Der Erfolg hängt stark von der kurzen Ischämiezeit ab, da amputierte Extremitäten auf Eis nur wenige Stunden überleben, bevor Sauerstoffmangel die Zellen schädigt. Die Forschenden wollen diese Zeitspanne verlängern und die Erfolgschancen erhöhen.

Das geplante System basiert auf einem transportablen Organ-Care-Ansatz, der mit einer Pumpe und einer künstlichen Blutversorgung arbeitet – ähnlich wie bei Organtransplantationen, die Wiegmann bereits erfolgreich an Herz und Lunge angewendet hat. Tests an Großtiermodellen zeigten, dass das System Gewebe sechs Stunden konservieren kann, selbst nach zwei Stunden warmer Ischämie. Es soll zudem als mobile Aufbewahrungsbox in Notarztwagen passen und auch für Spender-Extremitäten geeignet sein.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Nervenregeneration: Durchtrennte Nerven könnten sonst verknäueln und Phantomschmerzen verursachen. Haastert-Talini plant, die Perfusionslösung so anzupassen, dass sie entzündungsfördernde Botenstoffe enthält, die den Nervenabbau unterstützen und die Wiederausbildung erleichtern – anders als bei Organen, wo entzündungshemmende Mittel genutzt werden. Nächste Schritte umfassen die Optimierung der Lösung und die Verlängerung der Perfusionszeit, um längere Transportwege zu ermöglichen. Die Wissenschaftlerinnen sehen einen wachsenden Bedarf, da Studien eine Steigerung der Amputationen um über 70 Prozent bis 2025 prognostizieren.
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