MIGRA-MD gestartet: Digitale und multimodale Migräneversorgung für 1000 Patienten
Mit über fünf Millionen Euro Förderung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) startete am 1. März 2026 das bundesweite Innovationsfondsprojekt „MIGRA-MD – Strukturierte fachärztliche Migräneversorgung – multimodal und digital“. Ziel ist es, Lücken in der Migräneversorgung in Deutschland zu schließen und eine leitliniengerechtere, individualisierte Behandlung durch digitale Unterstützung und multimodale Aufklärung zu erreichen. In den kommenden 1,5 Jahren sollen 1000 erwachsene Patientinnen und Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Migräne in die Studie aufgenommen werden.
Das Projekt wird vom LMU Klinikum München unter Leitung von PD Dr. Ruth Ruscheweyh (DMKG-Präsidiumsmitglied) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) koordiniert. Beteiligt sind unter anderem die Universitätsmedizin Rostock, die Technische Universität Dresden, die Universitätsmedizin Greifswald, der Berufsverband Deutscher Neurologen sowie als Konsortialkassen die BARMER und die AOK Bayern. Die MigräneLiga e.V. unterstützt als Kooperationspartner.
Migräne zählt zu den häufigsten Erkrankungen im jungen und mittleren Erwachsenenalter und beeinträchtigt die Lebensqualität Betroffener oft erheblich. Trotz wirksamer Therapieoptionen erhalten viele Patienten keine optimal abgestimmte Behandlung. MIGRA-MD setzt daher auf eine Kombination aus digitalen Tools, strukturierten Schulungen und patientenzentrierter Information.

Teilnehmende Fachärztinnen und -ärzte werden von der DMKG geschult und erhalten im erweiterten Arztportal des DMKG-Kopfschmerzregisters eine übersichtliche Zusammenfassung patientenseitig eingegebener Daten sowie Checklisten für leitliniengerechte Diagnostik und medikamentöse Therapie. Patienten dokumentieren ihre Kopfschmerzen digital über die DMKG-App und einen standardisierten Fragebogen. Sie absolvieren drei Behandlungstermine bei teilnehmenden Neurologen und nutzen parallel die neue Online-Plattform „MIGRA-MD Wissen“. Diese bietet kurze Videos, Audios und Anleitungen zu Migräneauslösern, nichtmedikamentöser Vorbeugung (Stressreduktion, Entspannungsverfahren, Bewegung) sowie regelmäßige „Meet-the-Expert“-Live-Veranstaltungen mit Fragerunden.
Die technische Infrastruktur – einschließlich Erweiterung der DMKG-App, des Arztportals, des Rekrutierungsportals und der Wissensplattform – wurde vom Institut für Informationssysteme (iisys) der Hochschule Hof und der Ausgründung smartlytic GmbH konzipiert und umgesetzt. Das Team aus Hof bringt Expertise in digitalen Gesundheitsanwendungen, Datenmanagement und Datenschutz ein. Hosting, Wartung und Betrieb übernimmt die smartlytic GmbH. Die Architektur ist so gestaltet, dass erfolgreiche Komponenten perspektivisch in die Regelversorgung überführt werden können.
Die Rekrutierung begann am 1. März 2026. Teilnehmen können gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren mit 4 bis 25 Kopfschmerztagen pro Monat, die maximal zwei prophylaktische Medikamente erfolglos getestet haben. Interessierte prüfen ihre Eignung auf https://mitmachen.migra-md.de. Geeignete Kandidaten werden vom LMU Klinikum kontaktiert und aufgeklärt. Die Studie umfasst 13 Monate inklusive Nachbeobachtung; Teilnehmer werden randomisiert in eine sofortige und eine verzögerte Behandlungsgruppe eingeteilt.
Zeigt die Evaluation eine nachhaltige Reduktion von Kopfschmerzhäufigkeit und Alltagsbeeinträchtigung, soll eine Überführung in die Regelversorgung angestrebt werden.
Mehr dazu:
MIGRA-MD – Strukturierte fachärztliche Migräneversorgung – multimodal und digital
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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