Metastasen: Studie aus Regensburg und Erlangen widerlegt alte Annahme
Metastasen galten lange als lokal begrenzte Ableger eines Primärtumors, die sich in einem neuen Organ ansiedeln und dort nur noch weiterwachsen, ohne selbst neue Metastasen zu bilden. Eine aktuelle Studie der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) sowie der Universität Erlangen-Nürnberg widerlegt diese Vorstellung nun eindeutig.
Das Forschungsteam um Dr. Raquel Blazquez (Leiterin des Labors für translationale Metastasierung am UKR) und Prof. Dr. Tobias Pukrop (Leiter des Centrums für Translationale Onkologie und Direktor des Comprehensive Cancer Center Ostbayern, CCCO) untersucht seit über zehn Jahren, was Metastasen nach ihrer Ansiedlung in anderen Organen tatsächlich tun. Die Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Molecular Cancer, zeigen, dass Metastasen grundlegend unterschiedliche Ausbreitungsstrategien verfolgen können.
Im Rahmen des Sonderforschungsbereichs TRR305 konzentrierte sich die Arbeit auf die Biologie von Hirnmetastasen. Dabei wurde ein breites Spektrum an Verhaltensmustern festgestellt:
- Einige Metastasen bleiben weitgehend lokal begrenzt und wachsen überwiegend an einer Stelle.
- Andere sind deutlich aggressiver: Schon sehr früh lösen sich einzelne Krebszellen ab – oft noch bevor die ursprüngliche Metastase mit modernster Bildgebung nachweisbar ist. Diese Zellen siedeln sich an anderer Stelle im selben Organ an und können dort sogar schneller wachsen als die Ausgangsmetastase.
Diese Unterschiede wurden bisher kaum systematisch untersucht und spielen im klinischen Alltag keine Rolle. Die langjährige Annahme, dass Metastasen selbst keine neuen Metastasen bilden, gilt nun als widerlegt.

Die Forscher betonen, dass das unterschiedliche Verhalten den Krankheitsverlauf stark beeinflussen kann und künftig Auswirkungen auf Therapieentscheidungen haben könnte. Die klinische Umsetzung stehe jedoch noch aus. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für neue Denkansätze und mögliche innovative Therapiestrategien, die bisher nicht berücksichtigt wurden.
Dr. Blazquez, die die Arbeiten auf Basis der Hypothese unterschiedlicher Wachstumsmuster maßgeblich vorangetrieben hat, zeigt sich von der Klarheit der Ergebnisse überrascht – ein seltener Befund, besonders in neuem wissenschaftlichem Terrain. Die Veröffentlichung in Molecular Cancer unterstreicht die Neuartigkeit, Präzision und das Potenzial der Arbeit.
Das Team plant nun, die Erkenntnisse sorgfältig weiter zu untersuchen und in klinischen Studien zu überprüfen. Ziel ist es, die neuen Erkenntnisse rasch in konkrete Vorteile für Patienten umzusetzen und Therapieoptionen zu entwickeln, die gezielt auf aggressive, streuende Metastasen abzielen.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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