LPP-Marker: Retter beim Ruanda-Genozid 1994 zeigen stärkere neuronale Empathie
Forschende der Universität Gent haben in einer Feldstudie mit tragbaren EEG-Geräten die Gehirnaktivität von ehemaligen Tätern, Zuschauern und Rettern des Völkermords an den Tutsi 1994 verglichen.
Retter reagierten auf den Leidensausdruck anderer Personen mit deutlich stärkerem Late Positive Potential (LPP), einem Marker emotionaler Empathie, als Täter und Zuschauer. Diese erhöhte Verarbeitung korrelierte mit höherer Rate prosozialen Ungehorsams bei unmoralischen Befehlen.

Ehemalige Täter gehorchten Völkermord-Anweisungen häufiger und zeigten geringeres Verantwortungsgefühl. Zwischen Tätern und Zuschauern ergaben sich keine stabilen neuronalen Unterschiede – ein Hinweis darauf, dass Massengewalt weniger auf feste Persönlichkeitsmerkmale als auf situative Faktoren wie Propaganda und Angst zurückgeht.
Über alle Gruppen hinweg verweigerten mehr als die Hälfte unmoralische Befehle – deutlich mehr als in Studien mit jüngeren Ruandern nach dem Genozid. Retter reflektierten länger und nannten vielfältigere Motive wie Empathie, Erziehung und Vorbilder aus der Kindheit.
Die Ergebnisse stützen Hannah Arendts Konzept der „Banalität des Bösen“ und erweitern klassische Gehorsamsexperimente um reale Genozid-Erfahrungen. Die Studie wurde in „American Psychologist“ veröffentlicht.
Original Paper:
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
Gender-Hinweis. Die in diesem Text verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen. Auf eine Doppel/Dreifachnennung und gegenderte Bezeichnungen wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.




