Liebeshormon Oxytocin fördert soziales Verhalten direkt im medialen präfrontalen Kortex

von | Feb. 24, 2026 | Forschung, Gesundheit

Eine tierexperimentelle Studie unter Federführung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim zeigt, dass das Neuropeptid Oxytocin soziale Annäherung gezielt über einen Schaltkreis im medialen präfrontalen Kortex fördert. Dieser Effekt bleibt auch unter körperlicher Belastung wie Hunger erhalten. Die Ergebnisse erschienen in Nature Communications.

Das internationale Forscherteam löste mithilfe optogenetischer Methoden eine lokale Oxytocin-Freisetzung aus Nervenfasern aus, die vom Hypothalamus in den medialen präfrontalen Kortex ziehen. Bei weiblichen Ratten führte diese gezielte Freisetzung zu einer deutlichen Zunahme sozialer Interaktionen. Damit wurde erstmals ein kortikaler Schaltkreis identifiziert, der direkt auf Oxytocin anspricht und prosoziales Verhalten steuert.

Im Zentrum stehen hemmende Interneurone mit Oxytocin-Rezeptoren. Diese Zellen dämpfen die Aktivität von Hauptnervenzellen, die Signale an die Amygdala weiterleiten – ein Hirnareal, das für Angst- und Stressverarbeitung entscheidend ist. Durch diese gezielte Hemmung angstbezogener Netzwerke wird die Bereitschaft zu sozialer Annäherung verstärkt.

Symbolbild. Credits: Pixabay
Symbolbild. Credits: Pixabay

Bemerkenswert ist, dass der prosoziale Effekt auch unter Hunger anhielt. Normalerweise konkurrieren soziale Bedürfnisse in solchen Situationen mit grundlegenden Überlebensmotiven wie Nahrungssuche. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieser neuronale Schaltkreis soziales Verhalten auch bei konkurrierenden körperlichen Bedürfnissen aufrechterhält.

Die Erkenntnisse liefern neue Hinweise darauf, wie Oxytocin soziales Verhalten, Empathie, Vertrauen und soziale Entscheidungsfindung im Gehirn moduliert. Viele psychische Erkrankungen wie Angststörungen, Autismus-Spektrum-Störungen, Depressionen oder Schizophrenie gehen mit Beeinträchtigungen im sozialen Verhalten einher. Ein besseres Verständnis der zellulären und anatomischen Zielstrukturen von Oxytocin könnte daher zu verbesserten Therapien beitragen.

An der Studie waren neben dem ZI Forschende der Medizinischen Fakultät Heidelberg, der Universitäten Straßburg (Frankreich), Haifa (Israel) und Krakau (Polen) beteiligt. Die Arbeit wurde vor mehr als einem Jahrzehnt von Prof. Dr. Valery Grinevich am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg initiiert und nun am ZI fortgeführt.

Original Paper:

Oxytocin facilitates social behavior of female rats via selective modulation of interneurons in the medial prefrontal cortex | Nature Communications


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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