Kathetergestützte Ultraschall-Thrombolyse senkt Risiko bei schwerer Lungenembolie deutlich
Risikopatienten mit akuter Lungenembolie profitieren von einer ultraschallunterstützten, kathetergestützten Thrombolyse. Das zeigt die HI-PEITHO-Studie unter wissenschaftlicher Leitung der Universitätsmedizin Mainz. Im Vergleich zur alleinigen Behandlung mit Blutverdünnern war das Risiko für Tod oder lebensbedrohlichen Kreislaufzusammenbruch um 61 Prozent geringer.
Bei einer akuten Lungenembolie verstopft ein Blutgerinnsel Lungengefäße und kann die Pumpfunktion des Herzens stark beeinträchtigen. Etwa 15 Prozent der Betroffenen sterben daran. Systemische Thrombolytika lösen Gerinnsel zwar wirksam auf, erhöhen aber das Risiko schwerer Blutungen. Deshalb werden sie bisher meist nur bei den schwersten Fällen eingesetzt.

In der HI-PEITHO-Studie wurde bei Patienten mit mittlerem bis hohem Risiko ein Katheter über eine Vene in der Leiste bis in die Lungenarterien vorgeschoben. Darüber wurde ein thrombolytisches Medikament gezielt ins Gerinnsel abgegeben und zusätzlich Ultraschallenergie eingesetzt, um den Abbau zu beschleunigen. Dadurch konnte die Behandlungszeit verkürzt und die Medikamentendosis gesenkt werden.
An der randomisierten multizentrischen Studie nahmen 544 erwachsene Patienten aus Deutschland, sieben weiteren europäischen Ländern und den USA teil. Innerhalb der ersten sieben Tage nach der Behandlung trat der primäre Endpunkt – Tod durch Lungenembolie oder lebensbedrohlicher Herz-Kreislauf-Zusammenbruch – in der Katheter-Gruppe bei 4 Prozent auf, in der Kontrollgruppe mit alleiniger Antikoagulation bei 10,3 Prozent. Schwere Blutungskomplikationen waren insgesamt selten; Hirnblutungen traten in keiner Gruppe auf.
Die Studie gilt als die bisher größte ihrer Art auf diesem Gebiet. Sie wurde von der Universitätsmedizin Mainz initiiert und wissenschaftlich mitgeleitet, in Partnerschaft mit dem Pulmonary Embolism Response Team (PERT) Consortium in den USA und dem Studiensponsor Boston Scientific.
Die Ergebnisse wurden am 28. März 2026 im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht und auf dem Kongress des American College of Cardiology (ACC.26) präsentiert.
Die Universitätsmedizin Mainz ist die einzige Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und versorgt jährlich rund 403.000 Patienten stationär und ambulant.
Original Paper:
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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