INP Greifswald: Medizinisches Gasplasma macht Adenoviren in Sekunden unschädlich
Forschende des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie (INP) in Greifswald haben in einer Laborstudie gezeigt, dass medizinisches Gasplasma Adenoviren innerhalb kurzer Zeit stark inaktiviert. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Small veröffentlicht (DOI: 10.1002/smll.202511792).
Adenoviren sind robuste Krankheitserreger, die Erkältungen, Bindehautentzündungen oder Magen-Darm-Infektionen auslösen und lange auf Oberflächen überleben können. In den Versuchen setzten die Wissenschaftler einen speziellen Argon-Plasmajet ein, wie er auch in der Plasmamedizin genutzt wird. Bereits nach 90 Sekunden Exposition sank die Infektiosität der Viren in Zellkulturen um rund 96 Prozent.

Die Wirkung beruht nicht auf Hitze oder mechanischer Zerstörung, sondern auf reaktiven Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen, die im Plasma entstehen. Diese greifen gezielt die äußere Eiweißhülle der Viren an – insbesondere Proteine, die für die Stabilität und das Andocken an menschliche Zellen entscheidend sind. Dadurch verlieren die Viren ihre Fähigkeit, in Zellen einzudringen und eine Infektion auszulösen.
Elektronenmikroskopische Aufnahmen zeigten, dass die Viruspartikel ihre Form verändern und im Durchschnitt um etwa 16 Prozent schrumpfen. Das virale Erbgut blieb dagegen weitgehend unbeschädigt. Zusätzliche Tests bestätigten, dass die Inaktivierung auf die chemische Wirkung des Plasmas zurückzuführen ist.
Die Studie liefert erstmals detaillierte Einblicke, an welchen Stellen medizinisches Gasplasma Adenoviren angreift. Dieses Wissen bildet eine wichtige Grundlage, um Plasmatechnologien gezielt weiterzuentwickeln – etwa für die Desinfektion von Oberflächen, medizinischen Geräten oder in der Wundbehandlung. Die Ergebnisse stammen aus kontrollierten Laborversuchen; eine Übertragung auf komplexe Organismen (z. B. infizierte Lungen) muss in weiteren Studien geprüft werden.
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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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