Innovative Substanz gegen Parodontitis blockiert gezielt schädliche Bakterien

von | Jan. 6, 2026 | Forschung, Gesundheit

Fraunhofer-Forschendehaben eine Substanz entwickelt, die schädliche Bakterien bei Parodontitis hemmt, ohne das gesamte Mundmikrobiom zu zerstören. Das Spin-off PerioTrap hat daraus Zahnpflegeprodukte auf den Markt gebracht, die das natürliche Gleichgewicht der Mundflora erhalten. Die Technologie adressiert ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem mit potenziell schweren Folgen.

Parodontitis ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit und betrifft Millionen Menschen. Sie entsteht durch ein Ungleichgewicht im oralen Mikrobiom, das über 700 Bakterienarten umfasst. Nur wenige Arten wie Porphyromonas gingivalis verursachen die Erkrankung, indem sie in der Plaque am Zahnfleischrand haften und Entzündungen auslösen. Eine anfängliche Gingivitis kann zu chronischer Parodontitis führen, bei der sich das Zahnfleisch zurückzieht und Zähne lockern. Die Bakterien können über den Blutkreislauf systemische Erkrankungen begünstigen, darunter Diabetes, Rheuma, Arthritis, Herz-Kreislauf-Probleme, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Alzheimer.

Herkömmliche Mundpflegeprodukte wie Spülungen mit Alkohol oder Chlorhexidin töten alle Keime ab, einschließlich nützlicher. Nach der Behandlung bauen sich pathogene Bakterien schneller auf, da sie auf entzündetem Gewebe besser wachsen. Das Mikrobiom gerät in Dysbiose, und die Erkrankung kehrt wieder. Parodontitis ist nicht nur ein lokales Problem, sondern beeinflusst die allgemeine Gesundheit und verursacht hohe Behandlungskosten.

Symbolbild. Credits: Pixabay
Symbolbild. Credits: Pixabay

Guanidinoethylbenzylamino Imidazopyridine Acetat stammt aus einem EU-Projekt mit internationalen Partnern. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI in Halle identifizierten sie als selektiven Hemmer schädlicher Erreger. Sie tötet die Bakterien nicht, sondern blockiert ihr Wachstum, so dass sie keine toxischen Effekte entfalten. Gesunde Keime können Nischen besetzen und das Mikrobiom stabilisieren.

Das Spin-off PerioTrap Pharmaceuticals, gegründet 2018 in Halle, entwickelte die Technologie zu Produkten. In Kooperation mit dem Fraunhofer IZI und dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS entstand eine Mikrobiom-Zahnpasta. Diese enthält Putzstoffe und Fluorid gegen Karies und dient der Parodontitis-Prävention.

Die Substanz wirkt nach Angaben der Entwickler sanft und im Einklang mit der Mundflora. Sie hemmt Pathogene wie Porphyromonas gingivalis, lässt nützliche Bakterien unberührt und verhindert Dysbiose. Im Gegensatz zu breitspektrigen Mitteln fördert sie ein stabiles Gleichgewicht. Die Pasta ist nicht toxisch, wird nicht absorbiert und verursacht keine Verfärbungen.

Tests nach Guter Laborpraxis (GLP) bestätigten Wirksamkeit und Verträglichkeit. Das Fraunhofer IZI überprüfte biochemische und strukturbiologische Aspekte, das IMWS materialwissenschaftliche Eigenschaften. Rasterelektronenmikroskopie und chemische Analysen zeigten positive Effekte auf Zähne und Zahnfleisch.

Die PerioTrap-Zahnpasta ist auf dem Markt. Ein Pflege-Gel für Zahnarztpraxen, appliziert nach professioneller Reinigung, blockiert Pathogene und stabilisiert die Flora. Weitere Produkte wie Mundwasser sind in Entwicklung. Die Technologie eignet sich auch für Tierpflege: Parodontitis bei Hunden und Katzen hat ähnliche Ursachen, Produkte für Haustiere stehen auf der Agenda.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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