Inhaliertes Treprostinil bremst idiopathische Lungenfibrose und verbessert Lebensqualität
Forschende des LMU Klinikums München haben in einer internationalen Studie erstmals nachgewiesen, dass das inhalativ verabreichte Medikament Treprostinil den Verlauf der idiopathischen Lungenfibrose (IPF) deutlich verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern kann. Das bereits bei Lungenhochdruck zugelassene Mittel erwies sich in der Phase-III-Studie als wirksam und insgesamt gut verträglich. Die Ergebnisse erschienen im New England Journal of Medicine.
Bei der idiopathischen Lungenfibrose vernarbt das Lungengewebe fortschreitend ohne bekannte Ursache. Betroffene leiden unter zunehmender Atemnot, trockenem Reizhusten und sinkender Leistungsfähigkeit. Die mittlere Überlebenszeit nach Diagnose beträgt drei bis fünf Jahre. In Deutschland erkranken jährlich etwa 25 bis 30 Personen pro 100.000 Einwohner, vor allem ab dem 65. Lebensjahr. Bislang gibt es nur zwei zugelassene Medikamente, die den Krankheitsverlauf verlangsamen, jedoch mit teils erheblichen Nebenwirkungen verbunden sind. Eine Lungentransplantation stellt die einzige Möglichkeit für eine deutliche Verbesserung dar, steht aber nur wenigen Patienten offen.

In der doppelblinden, randomisierten und placebokontrollierten Studie wurden 593 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 72 Jahren über ein Jahr beobachtet. Primärer Endpunkt war die Veränderung der forcierten Vitalkapazität (FVC), eines Maßes für das nutzbare Lungenvolumen. In der Treprostinil-Gruppe sank die FVC um durchschnittlich 50 Milliliter, in der Placebogruppe um 136 Milliliter. Klinisch relevante Verschlechterungen traten in der Verumgruppe bei 27 Prozent der Teilnehmer auf, in der Kontrollgruppe bei 39 Prozent. Auch das ereignisfreie Überleben ohne Krankheitsprogression fiel in der Behandlungsgruppe günstiger aus.
Die Lebensqualität entwickelte sich unter Treprostinil klinisch relevant besser als unter Placebo. Die Verträglichkeit wurde insgesamt als gut bewertet. Als häufigste Nebenwirkung trat inhalationsbedingter Husten auf (etwa 50 Prozent in der Treprostinil-Gruppe gegenüber 25 Prozent unter Placebo). Ein Drittel der Patienten in der Verumgruppe brach die Therapie wegen Nebenwirkungen ab, in der Placebogruppe war es ein Viertel. Husten ließ sich nach Angaben der Studienautoren bei den meisten Betroffenen durch geeignete Maßnahmen beherrschen.
Die Studie wurde federführend von der Medizinischen Klinik und Poliklinik V des LMU Klinikums München koordiniert. Treprostinil wurde ursprünglich bei pulmonaler Hypertonie entwickelt und zeigte in einer Vorläuferstudie bereits positive Effekte auf fibrotische Prozesse. Die aktuellen Ergebnisse gelten als wichtiger Fortschritt für eine bislang schwer therapierbare Erkrankung. Ob das inhalative Therapiekonzept zugelassen wird, hängt von den Ergebnissen zweier noch laufender Studien ab.
Original Paper:
Inhaled Treprostinil for Idiopathic Pulmonary Fibrosis | New England Journal of Medicine
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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