Forschende entdecken neue Biomarker für Multiple Sklerose

von | März 2, 2026 | Forschung, Gesundheit

Forschende des Max-Planck-Instituts für Biochemie in Martinsried und der Technischen Universität München haben neue diagnostische und prognostische Marker für Multiple Sklerose (MS) identifiziert. In einer groß angelegten proteomischen Analyse wurden Liquorproben von mehr als 5000 Patienten mit verschiedenen neurologischen Erkrankungen mittels Massenspektrometrie untersucht.

Pro Probe konnten etwa 1500 Proteine gleichzeitig quantifiziert werden, in einer optimierten Methode sogar bis zu 2100 Proteine. Die Studie deckte systematische Veränderungen im Proteom der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) auf, die eine präzisere Abgrenzung von Multipler Sklerose gegenüber anderen entzündlichen Erkrankungen des Zentralnervensystems ermöglichen.

Besonders relevant ist die Entdeckung eines Panels aus 22 Proteinen, das die Diagnose in schwierigen Fällen verbessert – etwa bei etwa zehn Prozent der MS-Patienten, bei denen der klassische Nachweis oligoklonaler Banden fehlt. Diese Marker übertreffen etablierte Parameter in der Differenzialdiagnose gegenüber ähnlichen entzündlichen ZNS-Erkrankungen.

Für die Diagnose von Multiple Sklerose ist neben der Bildgebung die Laboranalytik wichtig. | Quelle: TUM, angepasst vom MPIB | Copyright: TUM, angepasst vom MPI für Biochemie 

Darüber hinaus korreliert das Proteommuster im Liquor zum Zeitpunkt der Erstdiagnose mit dem späteren Krankheitsverlauf. Es liefert Hinweise auf das Ausmaß langfristiger Beeinträchtigungen, das Risiko eines Übergangs vom schubförmig-remittierenden in einen progressiven Verlauf sowie den Zeitpunkt eines solchen Wechsels.

Die Methode beruht auf Weiterentwicklungen in der Massenspektrometrie, die eine hochdurchsatzfähige und tiefgehende Proteinanalyse in Körperflüssigkeiten erlauben. Unspezifische neurologische Symptome erschweren häufig die frühzeitige und sichere Diagnose neurologischer Erkrankungen. Die neuen Erkenntnisse könnten daher zu einer beschleunigten und zuverlässigeren Diagnostik beitragen und die Grundlage für individualisierte Therapieentscheidungen schaffen.

Das Verfahren eröffnet zudem Perspektiven für die Biomarker-Entdeckung bei weiteren neurologischen Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder Hirntumoren. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht.

Original Paper:

Jakob M. Bader, Christine Makarov, Sabrina Richter, Maximilian T. Strauss, Friederike Held, Maria Wahle, Michael Baggio Lorenz, Lara Pöschl, Patricia Skowronek, Marvin Thielert, Achim Berthele, Wen-Feng Zeng, Constantin Ammar, Isabell Bludau, Benjamin Schubert, Fabian J. Theis, Christiane Gasperi, Bernhard Hemmer, Matthias Mann: Large-scale proteomics across neurological disorders uncovers biomarker panel and targets in multiple sclerosis, Cell, Februar 2026


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

Gender-Hinweis. Die in diesem Text verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen. Auf eine Doppel/Dreifachnennung und gegenderte Bezeichnungen wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.

X
Ich bin Invi, wie kann ich dir helfen?