Erste Ergebnisse der K.O.-Tropfen-Studie
Erste Zwischenergebnisse einer länderübergreifenden Studie zu K.O.-Tropfen im deutschsprachigen Raum zeichnen ein besorgniserregendes Bild für Deutschland: Mehr als 500 Personen gaben an, bereits Opfer der heimlichen Verabreichung solcher Substanzen geworden zu sein. Die Studie, die Ende 2024 gestartet wurde, basiert auf einer anonymen Online-Umfrage und richtet sich an Personen ab 14 Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bisher liegen über 2000 Rückmeldungen vor, doch die aktuelle Auswertung beschränkt sich auf 1288 verwertbare Datensätze aus Deutschland. Die Forscher betonen, dass es sich um eine laufende Analyse handelt, die keinen repräsentativen Charakter beansprucht, sondern vor allem bestehende Fälle erfassen und institutionelle Hürden beleuchten soll.

Die Studie mit dem Titel „Don’t knock me out“ wird von der Juniorprofessorin für Europäisches Management an der Technischen Universität Chemnitz geleitet, in Kooperation mit dem psychologischen Leiter des Kompetenzzentrums Gewaltschutz bei den Tirol Kliniken in Innsbruck. Für Österreich und die Schweiz fehlen derzeit ausreichend Daten für eine Zwischenbilanz, weshalb die Wissenschaftler auf weitere Teilnahmen hoffen. In den deutschen Daten berichten 527 Personen von mindestens einem Vorfall, bei dem sie unfreiwillig K.O.-Tropfen verabreicht bekommen haben – eine Praxis, die als Drink Spiking bezeichnet wird. Davon zeigten sich 110 Teilnehmer in ihrem Verdacht unsicher. Zusätzlich äußerten 302 Befragte den Verdacht, dass jemand in ihrer Begleitung betroffen gewesen sei. Weitere 808 Personen kennen mindestens eine Person in ihrem Umfeld, die einen solchen Vorfall vermutet hat.
Trotz dieser Zahlen kommt es selten zu offiziellen Schritten. Nur 42 Betroffene ließen Urin-, Blut- oder Haarproben untersuchen, und in 18 Fällen wurde der Verdacht rechtsmedizinisch bestätigt. Lediglich 48 Personen meldeten den Vorfall bei der Polizei, was auf eine hohe Dunkelziffer hindeutet. Die Auswertung deutet darauf hin, dass die Angst vor K.O.-Tropfen besonders bei denen stark ausgeprägt ist, die selbst Erfahrungen damit gemacht haben oder Zeuge bei Begleitpersonen geworden sind. Die Studie zielt darauf ab, die Problematik besser zu verstehen, um effektive Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen zu entwickeln. Eine vollständige Analyse der über 60 Fragen der Umfrage ist spätestens für den Sommer 2026 geplant.
Die Forschenden bedauern das Fehlen staatlicher Förderung oder politischer Unterstützung. Die Studie finanziert sich derzeit durch eine private Spende in Höhe von 5000 Euro sowie Mittel der Technischen Universität Chemnitz. Im Januar und Februar 2026 soll eine Kampagne mit Gratispostkarten in den zehn größten Städten Deutschlands starten, um die Umfrage weiter zu verbreiten. Diese Aktion umfasst knapp 300 Standorte und wird von einer internationalen Marketingagentur sowie einem Frauennetzwerk ehrenamtlich unterstützt. Die Agentur übernimmt das Design der Karten und eine Social-Media-Kampagne, um die Reichweite zu erhöhen. Die Wissenschaftler hoffen, durch diese Maßnahmen die Dunkelziffer weiter zu beleuchten und zu zeigen, dass das Problem kein Randphänomen darstellt.
Die Zwischenergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, das Bewusstsein für Drink Spiking zu schärfen. Viele Betroffene zögern offenbar, den Vorfall zu melden, was auf Barrieren im Umgang mit solchen Fällen hinweist. Die Studie könnte künftig als Grundlage für gezielte Interventionen dienen, etwa in der Aufklärung junger Menschen oder der Verbesserung medizinischer und rechtlicher Prozesse. Bis zur Abschlussanalyse rufen die Forscher zu breiterer Teilnahme auf, um ein umfassenderes Bild zu erhalten. Die Umfrage bleibt weiterhin online zugänglich und anonym, um möglichst viele Erfahrungen einzubeziehen.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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