Dr. Martini-Preis 2026 geht erstmals seit 14 Jahren wieder nur an eine Wissenschaftlerin
Der älteste Medizinpreis Deutschlands, der Dr. Martini-Preis, ist in diesem Jahr ausschließlich an eine Forscherin vergeben worden. Dr. Felicitas Hengel von der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) erhält die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihre Arbeit zur Anti-Nephrin-vermittelten Podozytopathie, einer Autoimmunerkrankung der Niere.
Die Forschungsarbeit von Hengel trägt nach Einschätzung der Jury zu einem grundlegend neuen Verständnis der Krankheitsursachen bei. Sie umfasst unter anderem die Entwicklung eines neuen Testverfahrens zur sicheren Messung von Anti-Nephrin-Autoantikörpern. Damit konnte sie diese Antikörper als zentralen Auslöser für Erkrankungen wie die Minimal-Change-Disease (MCD), die primäre fokal-segmentale Glomerulosklerose bei Erwachsenen und das idiopathische nephrotische Syndrom bei Kindern nachweisen.

Bislang galten diese Nierenerkrankungen als weitgehend ursachenunbekannt und wurden vor allem anhand histopathologischer Befunde klassifiziert. Durch den Nachweis der Autoantikörper gegen Nephrin – ein wichtiges Protein der Blut-Urin-Schranke – eröffnen sich nun Möglichkeiten für eine präzisere Diagnostik, bessere Prognoseabschätzung und die Entwicklung zielgerichteter Therapien. Die gestörte Filtration führt zu massivem Eiweißverlust im Urin, was wiederum Fettstoffwechselstörungen, Thrombosen, Immunschwäche und Ödeme verursacht.
Die Dekanin der Medizinischen Fakultät des UKE, Prof. Blanche Schwappach-Pignataro, hob hervor, dass die Arbeit exemplarisch zeige, wie grundlagenwissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Patientenversorgung überführt werden können. Der Vorsitzende des Kuratoriums der Dr. Martini-Stiftung, Prof. Samuel M. Huber, betonte die Bedeutung des Preises für die Förderung zukunftsweisender Medizin und dankte den diesjährigen Spendern Eva-Maria und Wolfgang Peter Greve.
Der Dr. Martini-Preis wurde 1880 von Hamburger Kaufleuten gestiftet und gilt als ältester Medizinpreis Deutschlands. Er zeichnet jährlich herausragende wissenschaftliche Arbeiten von Nachwuchsforschern in frühen Karrierephasen aus, die in Hamburger Krankenhäusern tätig sind. Die alleinige Vergabe an eine Wissenschaftlerin erfolgt erstmals seit 14 Jahren.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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