DEGUM entwickelt Qualitätsstandards für Point-of-Care-Ultraschall in Hausarztpraxen

von | Jan. 12, 2026 | Forschung, Gesundheit

Mobile Ultraschallgeräte gewinnen in deutschen Hausarztpraxen an Bedeutung und erlauben eine rasche Abklärung von Beschwerden wie Bauchschmerzen, Atemwegsinfekten, Frakturen oder Dyspnoe direkt in der Sprechstunde. Der Point-of-Care-Ultraschall (POCUS) ermöglicht Hausärzten eine schnellere Diagnosestellung, insbesondere bei zeitlich begrenzten Untersuchungen und unspezifischen Symptomen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) arbeitet derzeit an Qualitätsstandards für den sicheren Einsatz von POCUS in der Primärversorgung. Ein neues Curriculum, das sich auf praxisrelevante Basiskompetenzen konzentriert, befindet sich in der Finalisierung und soll zeitnah veröffentlicht werden. Es definiert für jede Indikation anatomische Grundlagen, Schallfenster, Differenzialdiagnosen und Prüfungsanforderungen, um einen leitliniengerechten Einsatz zu gewährleisten.

Symbolbild. Credits: Peggy_Marco/Pixabay
Symbolbild. Credits: Peggy_Marco/Pixabay

Der stellvertretende Leiter des DEGUM-Arbeitskreises Hausärztliche Versorgung, Dr. med. Benjamin Bode, betont die Vorteile bei häufigen Beschwerden wie Atemwegsinfekten, Unterbauchschmerzen oder Weichteilveränderungen. POCUS erlaube eine sofortige Eingrenzung von Ursachen, etwa den Nachweis einer Pneumonie, die Identifikation einer unkomplizierten Divertikulitis oder die Unterscheidung von Abszessen und harmlosen Schwellungen.

Durch den routinemäßigen Einsatz von POCUS reduzieren sich Wartezeiten auf Facharzttermine, da zusätzliche bildgebende Verfahren oft entfallen. Dies senkt gleichzeitig die Behandlungskosten. Die DEGUM weist jedoch auf die Grenzen der fokussierten Untersuchung hin: Bei komplexen Fällen müssen Anwender unklare Befunde an spezialisierte Zentren oder radiologische Einrichtungen weiterleiten.

Eine bessere sonografische Ausbildung an Universitäten trägt zur Kompetenzsteigerung junger Ärzte bei. Die DEGUM empfiehlt interessierten Hausärzten den Besuch zertifizierter Kurse und regelmäßige Fortbildungen.

Eine wesentliche Barriere für die weitere Verbreitung bleibt die unzureichende Vergütung. POCUS ist in den meisten Bundesländern nicht kostendeckend abrechenbar; lediglich in Brandenburg existiert eine eigene Ziffer. Die DEGUM fordert eine bundesweit einheitliche Vergütungsstruktur, um die Anschaffung mobiler Geräte zu erleichtern.

Trotz dieser Hürden sieht die Fachgesellschaft eine positive Entwicklung. Miniaturisierte Geräte, digitale Lernangebote und künftige KI-Anwendungen, die Befunde automatisch erkennen und Handlungsempfehlungen geben, werden POCUS in den nächsten fünf bis zehn Jahren zum Standard in der hausärztlichen Diagnostik machen.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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