Claudia Schmidtke neue affiliierte Professorin am DFKI: Fokus auf KI in Gender- und Frauengesundheit

von | Jan. 21, 2026 | Forschung, Gesundheit

Prof. Dr. med. habil. Claudia Schmidtke ist seit dem 1. Dezember 2025 affiliierte Professorin im Forschungsbereich „KI für Assistive Gesundheitstechnologien“ am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Lübeck. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf KI-basierter Forschung in der Gender- und Frauengesundheit. Mit dieser Affiliation adressiert das DFKI einen bisher nicht systematisch verankerten Bereich der KI-Forschung im Gesundheitswesen: die konsequente Berücksichtigung geschlechterspezifischer Unterschiede in Prävention, Diagnostik, Therapie und Versorgung.

Das DFKI-Labor Lübeck verfolgt einen einzigartigen Ansatz, der Gender- und Frauengesundheit als strukturelles Leitprinzip entlang des gesamten KI-Innovationsprozesses etabliert – von der Datenbasis über Modellierung und Evaluation bis zur Anwendung, Versorgung und Regulierung. Trotz wachsender Evidenz zu Genderunterschieden werden diese in datengetriebenen KI-Systemen bisher unzureichend berücksichtigt. Ziel ist die schrittweise Reduktion des Gender Data Gap. KI-Systeme können dabei helfen, geschlechterspezifische Verzerrungen in oft männlich dominierten medizinischen Datensätzen sichtbar zu machen und zu quantifizieren. Zudem besteht Bedarf an geschlechtersensibler Datenerhebung und Studiendesigns.

Im Forschungsbereich Assistive Gesundheitstechnologien (AGT), geleitet von Prof. Dr.-Ing. habil. Marcin Grzegorzek, entwickelt und bewertet Schmidtke KI-gestützte Assistenzsysteme, die geschlechtersensible Datenstrukturen, algorithmische Fairness und patientenzentrierte Entscheidungsunterstützung integrieren. Die Anwendungen sollen Versorgungsrealitäten von Frauen über den Lebensverlauf abbilden und Versorgungsungleichheiten reduzieren. Das DFKI-Labor Lübeck positioniert sich damit als bundesweit sichtbarer Referenzstandort für KI in der Gender- und Frauengesundheit und stärkt die Verbindung von universitärer Medizin, außeruniversitärer KI-Forschung sowie gesundheits- und innovationspolitischer Gestaltung.

Prof. Schmidtke ist Sprecherin des Universitären Herzzentrums Lübeck (UHZL) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und Professorin für Herzchirurgie sowie Gesundheitsökonomin und ausgewiesene Gendermedizinerin. | Quelle: Olaf Malzahn | Copyright: Claudia Schmidtke
Prof. Schmidtke ist Sprecherin des Universitären Herzzentrums Lübeck (UHZL) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und Professorin für Herzchirurgie sowie Gesundheitsökonomin und ausgewiesene Gendermedizinerin. | Quelle: Olaf Malzahn | Copyright: Claudia Schmidtke 

Schmidtke ist Sprecherin des Universitären Herzzentrums Lübeck am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und Professorin für Herzchirurgie. Als Gesundheitsökonomin und Gendermedizinerin verbindet sie klinische Expertise, Versorgungsforschung und gesundheitspolitische Erfahrung mit anwendungsorientierter KI-Forschung. Von 2017 bis 2021 war sie Beauftragte der Bundesregierung für Patientenbelange sowie Mitglied des Deutschen Bundestages. Derzeit ist sie stellvertretende Vorsitzende der Schiedsstelle für Digitale Gesundheitsanwendungen.

Die Affiliation unterstreicht den Bedarf an interdisziplinären Ansätzen in der KI-Gesundheitsforschung. Geschlechterspezifische Unterschiede beeinflussen Krankheitsverläufe, Symptome und Therapieansprechen, werden jedoch in vielen Datensätzen und Algorithmen nicht ausreichend berücksichtigt. Dies führt zu Verzerrungen, die die Versorgungsqualität für Frauen mindern können. Das DFKI setzt mit diesem Schwerpunkt ein Zeichen für fairere und inklusivere KI-Systeme.

Durch die Integration von Genderaspekten in den gesamten Innovationsprozess sollen KI-Anwendungen präziser und patientenorientierter werden. Das Labor plant, Verzerrungen in bestehenden Datensätzen zu identifizieren und neue Standards für geschlechtersensible Datenerhebung zu entwickeln. Langfristig könnte dies zu besseren Präventions- und Therapiestrategien für Frauen beitragen, etwa in der Herzmedizin oder bei altersbedingten Erkrankungen.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

Gender-Hinweis. Die in diesem Text verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen. Auf eine Doppel/Dreifachnennung und gegenderte Bezeichnungen wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.

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