Christoph Lange erhält Oskar-Medizinpreis 2025
Prof. Christoph Lange ist mit dem Oskar-Medizinpreis 2025 ausgezeichnet worden. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis gilt als höchstdotierter Medizinpreis Deutschlands und wurde am Freitag auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in München verliehen.
Lange leitet als Medizinischer Direktor das Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum, und ist zugleich an der Universität zu Lübeck tätig. International gilt er als einer der führenden Experten für Tuberkulose, vor allem für multiresistente Formen. Seine Arbeiten haben Diagnostik, Behandlungsmanagement und Therapieentwicklung bei antibiotikaresistenter Tuberkulose maßgeblich vorangebracht.
Im Mittelpunkt seiner Forschung steht die Präzisionsmedizin. Durch moderne genetische Tests und Biomarker können Resistenzen frühzeitig erkannt und Therapien individuell optimiert werden. Studien seines Teams zeigen, dass personalisierte Ansätze deutlich höhere Erfolgsquoten erzielen als konventionelle Standardtherapien. Auf diesen Ergebnissen basieren wesentliche Anpassungen der Weltgesundheitsorganisation: 2020 überarbeitete die WHO die Definitionen der Behandlungsergebnisse bei Tuberkulose, 2021 folgte die Neudefinition der Resistenzschweregrade.

2006 initiierte Lange das europäische Forschungsnetzwerk TBnet, das mittlerweile etwa 1.000 Mitglieder in zahlreichen Ländern umfasst. Im internationalen UNITE4TB-Konsortium arbeitet er an neuen Medikamentenkombinationen für Patienten mit multiresistenten Erregern. Sein Team entwickelte zudem die ersten internationalen Standards für Antibiotic Stewardship speziell bei Tuberkulose, um den gezielten Antibiotikaeinsatz zu fördern und die Entstehung neuer Resistenzen einzudämmen.
In Deutschland liegt die Tuberkulose-Inzidenz bei etwa fünf Fällen pro 100.000 Einwohner und damit sehr niedrig. Global bleibt die Krankheit jedoch eine große Herausforderung, stark beeinflusst durch soziale Faktoren wie Armut und Kriege. In der Ukraine hat sich die Situation seit Beginn des russischen Angriffskriegs 2022 dramatisch verschlechtert – das Land entwickelte sich von mittlerer zu hoher Inzidenz.
Das Preisgeld will Lange vollständig in die internationale Zusammenarbeit investieren. Geplant ist eine große Konferenz im Sommer 2026 in Moldau mit Fachleuten aus über 50 Ländern. Auf Basis einer bereits durchgeführten europaweiten Umfrage soll der Umsetzungsstand des Antibiotic Stewardship analysiert und ein Fahrplan für die flächendeckende Einführung erarbeitet werden.
Der Oskar-Medizinpreis wird alle drei Jahre von der Stiftung Oskar-Helene-Heim in Berlin vergeben. Die Jury setzt sich aus Vertretern der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, der Deutschen Lungenstiftung und der Deutschen Atemwegsliga zusammen.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
Gender-Hinweis. Die in diesem Text verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen. Auf eine Doppel/Dreifachnennung und gegenderte Bezeichnungen wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.




