Blasenkrebs: Präzisionsdiagnostik mit Peptiden

von | Jan. 9, 2026 | Forschung, Gesundheit

Am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) hat ein Forschungsteam einen radiopharmazeutischen Molekülmarker entwickelt, der Tumore sichtbar machen kann, die das Zelloberflächenprotein Nectin-4 tragen. Dieses tritt vor allem bei Urothelkarzinomen, einer häufigen Form von Blasenkrebs, im Körper auf. Der Wirkstoffkandidat NECT-224 erwies sich in präklinischen Versuchen als stabil und wurde erstmals erfolgreich beim Menschen eingesetzt. Er könnte künftig dazu verwendet werden, jene Patienten besser zu identifizieren, die von Nectin-4-gerichteten Therapien profitieren.

Dazu haben HZDR-Forschende das bizyklische Peptid-Wirkstoff-Konjugat BT8009 chemisch so angepasst, dass es sich für die bildgebende Diagnostik eignet. Der Ansatz beruht auf Radiotracern: mit einem Radionuklid versehene Moleküle, die gezielt an bestimmte Strukturen im Körper binden und deren Verteilung mithilfe bildgebender Verfahren wie der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) bestimmt werden kann. Auf diese Weise lässt sich nicht-invasiv nachverfolgen, ob und wo der Wirkstoff im Körper an seine Zielstruktur bindet.

Künstlerische Darstellung der Wirkweise von NECT-224: Die mit radioaktiven Markern versehenen bizyklischen Peptide (hellblaue Ketten) strömen über Blutgefäße auf die Tumorzellen zu und binden gezielt an das Oberflächenprotein Nectin-4 (oranger Bogen). | Quelle: HZDR/A.Gruetzner
Künstlerische Darstellung der Wirkweise von NECT-224: Die mit radioaktiven Markern versehenen bizyklischen Peptide (hellblaue Ketten) strömen über Blutgefäße auf die Tumorzellen zu und binden gezielt an das Oberflächenprotein Nectin-4 (oranger Bogen). | Quelle: HZDR/A.Gruetzner 

Als Trägermolekül wählten sie ein so genanntes bizyklisches Peptid. Diese Molekülklasse zeichnet sich durch eine hohe Zielgenauigkeit und gute Stabilität im Körper aus. Durch chemische Anpassungen – unter anderem den Austausch einer oxidationsempfindlichen Aminosäure – entstand eine Serie robuster Peptidvarianten, die sich mit radioaktiven Isotopen wie Gallium-68 oder Kupfer-64 markieren lassen. Beide Varianten können Nectin-4 mittels PET enthüllen, unterscheiden sich jedoch in ihrer diagnostischen Anwendung: Gallium-68 ermöglicht schnelle nuklearmedizinische PET-Untersuchungen am selben Tag, während Kupfer-64 dank längerer Halbwertszeit potenziell kontrastreichere Aufnahmen zu späteren Zeitpunkten erlaubt.

Die neuen Tracer wurden zunächst in Zellkulturen und anschließend in präklinischen Tumormodellen eingehend getestet. Dabei zeigte besonders NECT-224, markiert mit Gallium-68 oder Kupfer-64, eine hohe Bindungsspezifität, eine klare Tumorlokalisierung und eine schnelle Ausscheidung aus dem übrigen Gewebe – wichtige Voraussetzungen für eine präzise Bildgebung mittels PET. Diese überzeugenden Ergebnisse ebneten den Weg für die erste klinische Anwendung: Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden kam die Gallium-68-Variante von NECT-224 erstmals im Sommer 2025 bei einem Patienten zum Einsatz. Die PET-Aufnahmen zeigten eine deutliche Darstellung der Tumorerkrankung und bestätigten damit die präklinischen Ergebnisse zur Eignung von NECT-224.

Original Paper:

“Precision on Two Wheels”─Structural Refinement of 64Cu- and 68Ga-Labeled Bicyclic Peptides Targeting Nectin-4 for Improved Tumor Imaging: From Preclinical Development to First-in-Human Application | Journal of Medicinal Chemistry


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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