Bispezifischer Antikörper stoppt lebensbedrohliche Kombination aus ITP und APS

von | März 9, 2026 | Forschung, Gesundheit

Ein interdisziplinäres Team der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am LMU Klinikum München hat erstmals eine junge Patientin mit schwerer, therapieresistenter Immunthrombozytopenie (ITP) und Antiphospholipidsyndrom (APS) erfolgreich mit dem bispezifischen Antikörper Blinatumomab behandelt. Die neuartige Immuntherapie führte zum vollständigen Verschwinden der krankheitsauslösenden Autoantikörper, stabilisierte die Blutplättchenzahlen und normalisierte die Gerinnungsaktivität. Die Ergebnisse erschienen im „New England Journal of Medicine“.

Bei der seltenen Koinzidenz von ITP und APS greift das Immunsystem die eigenen Blutplättchen an und löst gleichzeitig eine pathologische Gerinnungsneigung aus. Betroffene sind dadurch akut gefährdet, sowohl durch schwere Blutungen als auch durch lebensbedrohliche Thrombosen. Herkömmliche Therapien stoßen bei refraktären Verläufen häufig an Grenzen.

Das Münchner Team setzte auf Blinatumomab, einen bispezifischen Antikörper, der T-Zellen gezielt mit krankheitsverursachenden B-Zellen verbindet und diese eliminiert. Im Rahmen eines Compassionate-Use-Programms erhielt die Patientin zwei Behandlungszyklen. Bereits kurz nach Therapiebeginn stiegen die Thrombozytenzahlen deutlich an, die Autoantikörper gegen Blutplättchen und Phospholipide verschwanden vollständig. Begleitende Laboruntersuchungen zeigten eine Normalisierung der Bildung gerinnungsfördernder Plättchenaggregate.

Wirkprinzip: Ein bispezifischer Antikörper (Blinatumomab, rot) verbindet eine T-Zelle (oben) über CD3 mit einer CD19-positiven B-Zelle (unten). Diese räumliche Kopplung führt zur Aktivierung der T-Zelle und zur gezielten Zerstörung der Zielzelle. | Quelle: Marion Subklewe | Copyright: Genzentrum der LMU
Wirkprinzip: Ein bispezifischer Antikörper (Blinatumomab, rot) verbindet eine T-Zelle (oben) über CD3 mit einer CD19-positiven B-Zelle (unten). Diese räumliche Kopplung führt zur Aktivierung der T-Zelle und zur gezielten Zerstörung der Zielzelle. | Quelle: Marion Subklewe | Copyright: Genzentrum der LMU 

Seit der Behandlung weist die Patientin stabile Blutplättchenwerte auf, ist frei von Blutungen und Thrombosen und konnte erstmals seit Jahren orale Antikoagulation beginnen. Die zuvor notwendigen täglichen subkutanen Injektionen entfielen, was zu einem erheblichen Gewinn an Lebensqualität führte.

Die Hämatologen und Immuntherapeuten am LMU Klinikum sehen in bispezifischen Antikörpern eine vielversprechende, schonendere Alternative zu aufwändigen CAR-T-Zelltherapien, die eine Chemotherapie-Vorbereitung erfordern und mit Risiken wie Unfruchtbarkeit oder Sekundärtumoren verbunden sind. Die Beobachtung zeige das Potenzial zielgerichteter Immuntherapien bei komplexen Autoimmunerkrankungen, insbesondere bei jungen Patientinnen und Patienten.

Die Immunthrombozytopenie (ITP) führt durch Autoantikörper gegen Thrombozyten zu einer stark verminderten Blutplättchenzahl und erhöhter Blutungsneigung. Das Antiphospholipidsyndrom (APS) ist gekennzeichnet durch Autoantikörper gegen Phospholipide oder damit assoziierte Proteine, die eine erhöhte Thrombosegefahr und Schwangerschaftskomplikationen verursachen. Die gleichzeitige Manifestation beider Erkrankungen stellt eine extrem seltene und hochgefährliche Konstellation dar.

Original Paper:

Blinatumomab in Combined Immune Thrombocytopenia and Antiphospholipid Syndrome | New England Journal of Medicine

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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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