Autismus-Diagnosen bei Kindern und Jugendlichen weiter auf dem Vormarsch

von | Apr. 2, 2026 | Forschung, Gesundheit

Immer mehr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland erhalten die Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS). Im Jahr 2024 lag der Anteil bei den 0- bis 24-Jährigen nach einer Auswertung der hkk Krankenkasse bei 1,0 Prozent. Damit setzte sich der bereits seit Jahren anhaltende Anstieg fort: 2023 betrug die Quote noch 0,9 Prozent, 2022 0,8 Prozent.

Zwischen 2013 und 2022 hatte sich der Anteil der Betroffenen sogar verdoppelt – von 0,4 auf 0,8 Prozent. Die aktuelle Analyse der Abrechnungsdaten der hkk bestätigt diesen langfristigen Trend.

Deutliche Geschlechtsunterschiede bleiben bestehen: Jungen und junge Männer sind mit 1,4 Prozent mehr als doppelt so häufig betroffen wie Mädchen und junge Frauen (0,6 Prozent). Im Kindesalter ist der Unterschied besonders ausgeprägt. Bei den 15- bis 19-Jährigen holen Mädchen jedoch auf: Hier liegt die Quote bei Jungen bei 1,6 Prozent und bei Mädchen bereits bei 1,1 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass Autismus bei Mädchen häufig später diagnostiziert wird.

Symbolbild. Credits: cottonbrow studio, Pexels
Symbolbild. Credits: cottonbrow studio, Pexels

Ein wesentlicher Grund dafür ist das sogenannte „Masking“: Viele Mädchen und Frauen lernen früh, soziale Auffälligkeiten zu überspielen oder sich stark anzupassen. Dadurch fallen ihre Schwierigkeiten im Alltag oft weniger auf.

Experten führen den Anstieg der Diagnosen nicht allein auf eine tatsächliche Zunahme von Autismus zurück. Eine verbesserte Diagnostik, höhere Sensibilität bei Ärzten und Pädagogen sowie die breitere Definition des Autismus-Spektrums tragen maßgeblich dazu bei.

Die detaillierte Aufschlüsselung nach Altersgruppen zeigt folgendes Bild (Angaben in Prozent):

AltersgruppeAlleWeiblichMännlich
0–4 Jahre0,50,20,7
5–9 Jahre1,30,62,0
10–14 Jahre1,50,82,1
15–19 Jahre1,31,11,6
20–24 Jahre0,80,50,9

Quelle: hkk-Abrechnungsdaten 2024

Dr. Cornelius Erbe, Leiter des Versorgungsmanagements der hkk, betonte die wachsende Bedeutung des Themas für das Gesundheitssystem. Frühzeitige Unterstützung betroffener Kinder und ihrer Familien sowie passgenaue Therapieangebote seien entscheidend. Auch eine bessere Aufklärung in Kitas und Schulen sei wichtig.

Autismus gilt als neurologische Entwicklungsbesonderheit mit sehr unterschiedlichen Ausprägungen. Eine frühe Diagnose und individuell abgestimmte Förderung können die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien erheblich verbessern.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

Gender-Hinweis. Die in diesem Text verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen. Auf eine Doppel/Dreifachnennung und gegenderte Bezeichnungen wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.

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