Apotheken starten bundesweite Protestwelle gegen Honorarstillstand

von | Jan. 30, 2026 | Gesundheit, Politik

Die deutschen Apotheken beginnen eine mehrmonatige Protestaktion gegen den seit Jahren anhaltenden Stillstand bei ihren Honoraren. Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände – hat eine groß angelegte Kampagne unter dem Motto „Uns gibt’s nicht zum Nulltarif“ gestartet. Diese wird in den Apotheken, auf öffentlichen Werbeflächen und in sozialen Medien sichtbar. Ergänzt werden die Maßnahmen durch gezielte Aktionen der Apothekenteams, bei denen Patientinnen und Patienten direkt auf die wirtschaftlich bedrohliche Lage der Apotheken angesprochen werden.

Am 25. Februar 2026 beruft die ABDA eine außerordentliche Mitgliederversammlung in Berlin ein, um bundesweite Protestmaßnahmen und weitere Aktionen zu beraten und zu beschließen. Das teilte ABDA-Präsident Thomas Preis am 29. Januar 2026 auf einer Online-Pressekonferenz mit. Am 30. Januar 2026 nimmt der Bundesrat im Plenum Stellung zum Gesetz zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung (ApoVWG).

Symbolbild. Credits: Pexels.com
Symbolbild. Credits: Pexels.com

Die Apotheken wollen die Öffentlichkeit über die prekäre Situation informieren, die nicht nur die Betriebe, sondern auch die flächendeckende Arzneimittelversorgung der Bevölkerung gefährdet. Mehr als ein Drittel aller Apotheken befindet sich in einer wirtschaftlich kritischen Lage. Seit 2013 gab es lediglich eine minimale Anpassung des Fixhonorars um 3,1 Prozent auf 8,35 Euro pro rezeptpflichtigem Arzneimittel. In diesem Zeitraum mussten fast 20 Prozent der Apotheken schließen – bundesweit sank die Zahl von rund 21.000 (2004) auf 16.601 Ende 2025.

Gleichzeitig stiegen die Gesamtkosten in den Apotheken um 65 Prozent, die Personalkosten sogar um fast 80 Prozent. Die Politik habe seit über einem Jahrzehnt tatenlos zugesehen, wie Personal- und Sachkosten kontinuierlich anstiegen, während das Honorar unverändert blieb. Die Koalition hatte im Koalitionsvertrag eine Honorarerhöhung zugesagt, die im aktuellen Gesetzgebungsverfahren jedoch fehle.

Die ABDA fordert Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung auf, die Apotheken finanziell zu stärken und eine zukunftsorientierte, flächendeckende Versorgung zu sichern. Ein weiteres Abwarten führe zu längeren Wegen für Patientinnen und Patienten und gefährde die Versorgungssicherheit. Viele gewünschte und notwendige Leistungen – von der Beratung bis hin zu neuen Versorgungsangeboten – könnten nur dann flächendeckend erbracht werden, wenn das Apothekennetz nicht weiter ausdünne.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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