Aktualisierte Impfstrategie bei Multipler Sklerose: Frühe Impfung vor Immuntherapie empfohlen

von | Jan. 20, 2026 | Forschung, Gesundheit

Neue Empfehlungen zur Impfstrategie bei Multipler Sklerose fordern eine proaktive und frühzeitige Impfung, idealerweise vor dem Start einer immunmodulatorischen Therapie. Dadurch sollen schwere Infektionen vermieden werden, die den Krankheitsverlauf verschlechtern können. Der Kompetenznetz Multiple Sklerose hat in diesem Kontext die Pocketcard Impfen aktualisiert, um den Praxisalltag zu erleichtern.

Patienten mit Multipler Sklerose sind aufgrund ihrer Erkrankung und oft immunsupprimierender Therapien anfällig für schwere Infektionen, die Schübe und bleibende Behinderungen auslösen können. Die Strategie rät, Impfungen gut zu planen und früh abzuschließen, bevor eine neue verlaufsmodifizierende Immuntherapie beginnt. Eine frühe Impfung gilt als entscheidender Bestandteil der Behandlung, da vermeidbare Infektionen den Verlauf negativ beeinflussen. Individuelle Risiken müssen geprüft werden, um Immuntherapie und Impfung sicher in das langfristige Management zu integrieren.

Neuronen. Symbolbild. Credits: Pixabay
Neuronen. Symbolbild. Credits: Pixabay

Das Kompetenznetz Multiple Sklerose sieht seinen Auftrag darin, mit klaren Empfehlungen und Handlungsanweisungen den Alltag von Neurologen zu unterstützen und fundierte Informationen bereitzustellen. Definierte Impfrichtlinien schützen Patienten besser und verbessern ihre Lebensqualität. Eine individuelle Beratung durch den Neurologen berücksichtigt Lebenssituation, Therapiestrategie und Begleiterkrankungen. Zu den essenziellen Impfungen zählen solche gegen Tetanus, Diphtherie, Poliomyelitis, Keuchhusten, Hepatitis B, Influenza, Herpes Zoster, Pneumokokken, Meningokokken und SARS-CoV-2.

In einer Studie auf Basis einer Literaturrecherche präsentiert ein Expertenkonsens Empfehlungen zur Art und zum Zeitpunkt von Impfungen bei Immuntherapien für neurologische Autoimmunerkrankungen. Jede Immuntherapie kann die humorale und zelluläre Reaktion auf Impfungen beeinflussen, weshalb Impfungen vor Therapiebeginn vorzuziehen sind. Bei aktivem entzündlichem Verlauf mit Risiko irreversibler neurologischer Schäden ist eine Verzögerung des Therapiestarts jedoch nicht vertretbar. Lebendimpfstoffe sind für die meisten Immuntherapien kontraindiziert und nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung empfohlen. Detaillierte Zeitpunkte für verschiedene MS-Wirkstoffe finden sich in der aktualisierten Pocketcard des Kompetenznetzes, Version 0.0.3 vom 16. Januar 2026.

Die Empfehlungen basieren auf der Erkenntnis, dass Sicherheit und Wirksamkeit von Impfungen im Kontext der Immuntherapie allgemein und individuell geklärt werden müssen. Die Aktualisierung der Pocketcard dient als Hilfestellung für den Praxisalltag und integriert evidenzbasierte Erkenntnisse. Neurologen können damit Patienten besser beraten und Impfpläne anpassen, um Komplikationen zu minimieren.

Durch proaktive Impfung lassen sich Infektionsrisiken senken, die bei MS-Patienten besonders schwerwiegend ausfallen. Die Strategie betont die Planung, um Therapie und Schutz optimal zu kombinieren. In Fällen aktiver Erkrankung priorisiert der Konsens den schnellen Therapiestart, während Impfungen nachgeholt werden. Die Vermeidung von Lebendimpfstoffen unter Immunsuppression reduziert das Risiko unerwünschter Reaktionen.

Das Kompetenznetz fordert daher eine enge Abstimmung zwischen Neurologen und Patienten, um personalisierte Pläne zu erstellen. Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission bilden die Grundlage, ergänzt um MS-spezifische Anpassungen. Die Studie unterstreicht, dass frühe Interventionen die Prognose verbessern und Behinderungen vorbeugen können. Praktiker erhalten mit der Pocketcard konkrete Handlungsempfehlungen, die den Umgang mit verschiedenen Therapien erleichtern.

Original Paper:

Schraad, M., Mäurer, M., Salmen, A., Ruck, T., Uphaus, T., Fleischer, V., … & Zipp, F. (2025). Cellular and humoral vaccination response under immunother- apies—German consensus on vaccination strategies in neurological autoimmune diseases. Therapeutic Advances in Neurological Disorders, 18, https://doi.org/10.1177/17562864251396006


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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