Fr1da-Studie: Screening auf frühen Typ-1-Diabetes in Kinderarztpraxen erfolgreich und praktikabel
Ein bevölkerungsweites Screening auf frühe Stadien von Typ-1-Diabetes in der regulären kinderärztlichen Versorgung ist dauerhaft umsetzbar und erkennt die Mehrheit der zukünftigen Erkrankungsfälle frühzeitig. Das zeigt die Bilanz der seit 2015 laufenden Fr1da-Studie unter Leitung von Helmholtz Munich, die jetzt im Fachjournal „JAMA“ veröffentlicht wurde.
In Bayern wurden bisher mehr als 220.000 Kinder im Rahmen der normalen Kinderarztbesuche auf Inselautoantikörper getestet. Insgesamt nahmen 716 niedergelassene Kinderärztinnen und Kinderärzte an dem Programm teil. Bei 590 Kindern (0,3 Prozent) wurde ein frühes Stadium (Stadium 1 oder 2) festgestellt. Von diesen entwickelten 212 später einen klinischen Typ-1-Diabetes (Stadium 3). Das entspricht 81 Prozent aller Kinder, bei denen die Erkrankung im Beobachtungszeitraum manifest wurde.

Die Studie widerlegt die Annahme, dass ein Screening nur bei familiär vorbelasteten Kindern sinnvoll sei. Die Mehrheit der Kinder, die einen Typ-1-Diabetes entwickelten, hatte keine Verwandten ersten Grades mit der Erkrankung. Ein zweites Screening nach etwa drei Jahren erwies sich als wertvoll: Es identifizierte 29 weitere Fälle bei zunächst unauffälligen Kindern.
Die Progression von einem frühen Stadium in den manifesten Diabetes erfolgt mit einer relativ konstanten Rate von etwa 20 Prozent pro Jahr. Dies unterstreicht den Nutzen einer frühen Erkennung: Familien können geschult, Kinder engmaschig betreut und lebensbedrohliche diabetische Ketoazidosen weitgehend vermieden werden.
„Die Daten zeigen klar, dass ein Screening in der breiten Bevölkerung sinnvoll und machbar ist“, erklärte Dr. Christiane Winkler, Leiterin des Fr1da-Teams bei Helmholtz Munich. Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich, ergänzte: „Der Krankheitsprozess verläuft bei Kindern mit und ohne familiäre Vorbelastung vergleichbar. Deshalb sollte ein solches Screening künftig allen Kindern angeboten werden.“
Die Fr1da-Studie liefert zudem wichtige Grundlagen für die Entwicklung und Erprobung neuer krankheitsmodifizierender Therapien, die den Ausbruch des Typ-1-Diabetes verzögern oder verhindern könnten. Die Ergebnisse stärken die Argumente für eine Integration des Screenings in die Regelversorgung.
Original Paper:
Winkler et al., 2026: Screening Children for Early-Stage Type 1 Diabetes. JAMA. DOI: 10.1001/jama.2026.6085
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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