Innsbrucker Studie: Eisencarboxymaltose verdoppelt Frakturrisiko im Vergleich zu Alternativen

von | Apr. 8, 2026 | Forschung, Gesundheit

Eisenmangel betrifft in Europa jede vierte Frau im gebärfähigen Alter. Moderne intravenöse Eisenpräparate beheben den Mangel zwar rasch, doch eine internationale Beobachtungsstudie der Medizinischen Universität Innsbruck warnt vor Langzeitfolgen eines häufig eingesetzten Wirkstoffs: Eisencarboxymaltose ist mit einem mehr als doppelt so hohen Risiko für Knochenbrüche verbunden wie das Vergleichspräparat Eisenderisomaltose.

Eisenmangel entsteht unter anderem durch gestörte Aufnahme bei Darmerkrankungen, erhöhten Bedarf in Schwangerschaft oder Wachstumsphasen sowie durch Blutverlust bei starken Monatsblutungen. Orale Präparate wirken oft langsam und werden schlecht vertragen, weshalb Infusionen zunehmend zum Einsatz kommen.

Heinz Zoller leitet seit 2019 das CD Labor für Eisen- und Phosphatbiologie. | Quelle: David Bullock | Copyright: Medizinische Universität Innsbruck

Bei der Gabe von Eisencarboxymaltose sinkt bei 50 bis 75 Prozent der Behandelten der Phosphatspiegel im Blut deutlich ab. Dies kann zu Muskelschwäche und Knochenerkrankungen führen. Forschende um Heinz Zoller vom Christian Doppler-Labor für Eisen- und Phosphatbiologie an der Medizin Uni Innsbruck haben den Mechanismus untersucht. Die Analysen zeigen, dass Eisencarboxymaltose sich stark im Knochen anreichert, dort die Kollagenbildung vermindert und die Knochenneubildung hemmt. Die Symptome eines erniedrigten Phosphatspiegels ähneln denen eines Eisenmangels und bleiben daher häufig unbemerkt.

In einer groß angelegten Beobachtungsstudie mit mehr als 20.000 Patientinnen und Patienten, durchgeführt gemeinsam mit Partnern unter anderem aus Kiel, Wien und New York, bestätigte sich das erhöhte Risiko klinisch. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Blood“ veröffentlicht. Knochenbrüche treten typischerweise Wochen oder Monate nach der Therapie auf.

Die Forschenden schließen daraus, dass Eisencarboxymaltose molekulare Veränderungen im Knochen auslöst, die unabhängig vom Phosphatspiegel die Knochenstruktur schwächen können. Die Wahl des Eisenpräparats beeinflusst damit nicht nur die Geschwindigkeit der Behandlung, sondern auch das langfristige Risiko für eine „biologische Ermüdung“ des Knochens.

Die Daten unterstreichen die Notwendigkeit, das Frakturrisiko in der klinischen Praxis stärker zu berücksichtigen. Weitere Studien sollen die genauen biologischen Zusammenhänge beim Menschen klären.

Original Paper:

Ferric Carboxymaltose Increases Fracture Risk in Patients and Reduces Bone Formation in Mice with Iron Deficiency Anemia | Blood | American Society of Hematology


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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