Neue Immuntherapien schalten krankheitsverursachende Zellen bei rheumatischen Erkrankungen gezielt aus
Zwei Studien aus Deutschland zeigen, dass neuartige Immuntherapien gezielt krankheitsverursachende Immunzellen bei schwer behandelbaren entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ausschalten können. Die Ansätze könnten mittelfristig neue Behandlungsoptionen für Patientinnen und Patienten eröffnen, bei denen bisherige Therapien nicht ausreichend wirken.
Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland sind von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen betroffen, darunter chronische Gelenkerkrankungen sowie seltene Autoimmunerkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes, systemische Sklerose oder entzündliche Muskelkrankheiten. Trotz Fortschritten bleiben diese Erkrankungen unheilbar und nicht bei allen Betroffenen erfolgreich behandelbar. Bisherige Therapien dämpfen das Immunsystem häufig breit und über Jahre, was die körpereigene Abwehr schwächt.

Die neuen Ansätze zielen darauf ab, das Immunsystem durch eine gezielte einmalige Ausschaltung krankheitsauslösender Zellen neu zu programmieren. Ein internationales Team um Forschende des Universitätsklinikums Düsseldorf untersuchte bi-spezifische Antikörperkonstrukte, sogenannte T-Zell-Engager. Diese Moleküle verbinden körpereigene T-Zellen gezielt mit krankheitsrelevanten Immunzellen und lösen deren Zerstörung aus. Der Ansatz zeigte bei schweren Systemerkrankungen wie systemischer Sklerose und Antisynthetase-Syndrom, dass sich krankheitsverursachende Zellpopulationen ausschalten lassen.
In der CASTLE-Studie am Universitätsklinikum Erlangen wurde der Einsatz von gegen CD19 gerichteten CAR-T-Zellen bei schweren Autoimmunerkrankungen geprüft. Dabei werden patienteneigene Immunzellen im Labor genetisch verändert, sodass sie Antikörper-produzierende B-Zellen gezielt erkennen und zerstören. Die Therapie wurde bei therapieresistenten Verläufen von systemischem Lupus erythematodes, systemischer Sklerose und idiopathischen entzündlichen Myositiden eingesetzt. Die Ergebnisse deuten auf anhaltende klinische Verbesserungen hin.
Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) sieht in beiden in „Nature Medicine“ veröffentlichten Studien einen wichtigen Fortschritt. Sie unterstreichen die internationale Sichtbarkeit und Innovationskraft der deutschen Rheumatologie. Weitere Untersuchungen seien jedoch erforderlich, um Wirksamkeit und langfristige Sicherheit der Therapien zu bewerten.
Original Papers:
Düsing C. et al.: Bispecific T cell engagers for treatment-refractory autoimmune connective tissue diseases. Nature Medicine (2026). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41714747/ „Bispecific T cell engagers for treatment-refractory autoimmune connective tissue diseases – PubMed“
Müller F. et al.: CD19 CAR-T cells for treatment-refractory autoimmune diseases: the phase 1/2 CASTLE basket trial. Nature Medicine (2026). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41501497/ „CD19 CAR-T cells for treatment-refractory autoimmune diseases: the phase 1/2 CASTLE basket trial – PubMed“
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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