Fraunhofer entwickelt digitales Assistenzsystem für bessere Nachsorge von Frauen nach Herzinfarkt und Schlaganfall

von | Apr. 7, 2026 | Forschung, Gesundheit

Frauen haben nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt ein höheres Sterberisiko als Männer. Fraunhofer-Forschende wollen die geschlechtsspezifische Nachsorge mit einem maßgeschneiderten digitalen Assistenzsystem verbessern und so weiteren Herzerkrankungen vorbeugen.

Erleidet eine Frau einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, ist ihre Prognose schlechter als die eines Mannes. Gründe dafür sind unter anderem die Unterrepräsentation von Frauen in klinischen Studien, die unzureichende Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Risikofaktoren sowie der Wegfall schützender Hormone nach der Menopause. Eine effiziente Nachsorge gilt daher als entscheidend.

Ein Team am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Mannheim entwickelt im Projekt „GenderHeart“ ein interaktives Assistenzsystem. Es soll die geschlechtsspezifische Früherkennung nach einem kardiovaskulären Ereignis verbessern und damit die Prognose für betroffene Frauen erhöhen.

Dank der Aufnahmestation TEDIAS wird die Anamnese digital: In einem Sessel messen Biosensoren automatisch Vitalparameter, ein Avatar führt durch den Fragebogen. | Copyright: Fraunhofer IPA
Dank der Aufnahmestation TEDIAS wird die Anamnese digital: In einem Sessel messen Biosensoren automatisch Vitalparameter, ein Avatar führt durch den Fragebogen. | Copyright: Fraunhofer IPA 

Kern des Systems ist ein digitaler Anamneseprozess, der speziell auf kardiovaskuläre Erkrankungen bei Frauen abzielt. Dabei kommt die vom Fraunhofer IPA entwickelte digitale Aufnahmestation TEDIAS zum Einsatz. Die Patientin sitzt in einem Sessel mit integrierten Biosensoren, während ein Avatar auf einem Monitor die Anamnese führt und Vitalparameter wie Blutdruck, Atemfrequenz und EKG automatisch erfasst. Ziel ist eine schnellere und strukturierte Erfassung der Krankengeschichte, die das anschließende Arztgespräch gezielter machen soll.

Grundlage des Assistenzsystems ist ein KI-basierter Algorithmus, der eine individuelle Risikoeinschätzung und Therapieempfehlung erstellt. Berücksichtigt werden dabei unter anderem geschlechtsspezifische Unterschiede im Krankheitsverlauf, der Einfluss des Hormonstatus sowie Faktoren, die den Erfolg verschiedener Therapien beeinflussen.

Zusätzlich planen die Forschenden die Integration eines Sprachanalyse-Tools. Eine App soll es Patientinnen ermöglichen, ihre Stimme täglich zu Hause aufzuzeichnen. Veränderungen, die auf Herzprobleme hinweisen können, werden erkannt und fließen bei Kontrollen mit TEDIAS in die Risikobewertung ein.

Das Projekt GenderHeart startet im Frühjahr 2026 und läuft drei Jahre. Beteiligt sind neben dem Fraunhofer IPA die Zana Technologies GmbH und das Universitätsklinikum Mannheim. Langfristig soll die spezialisierte Aufnahmestation in Notaufnahmen eingesetzt werden und den Klinikalltag entlasten.

Frauenherzgesundheit sei bislang häufig vernachlässigt und wenig erforscht worden, heißt es aus dem Projekt. Das Assistenzsystem soll dazu beitragen, genderspezifische Unterschiede systematisch zu berücksichtigen und betroffenen Frauen bessere Behandlungsprognosen zu ermöglichen.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

Gender-Hinweis. Die in diesem Text verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen. Auf eine Doppel/Dreifachnennung und gegenderte Bezeichnungen wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.

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