Marburger Forscher identifizieren entscheidendes Protein für das Hörvermögen

von | Apr. 1, 2026 | Forschung, Gesundheit

Ein Forschungsteam der Philipps-Universität Marburg hat ein bislang unbekanntes Protein entdeckt, das für das menschliche Hören eine zentrale Rolle spielt. Das Protein TMEM145 ist ein wesentlicher Bestandteil der äußeren Haarzellen im Innenohr und sorgt dort für die mechanische Verbindung der Sinneshärchen mit der Tektorialmembran.

Diese Verbindung ist Voraussetzung dafür, dass die äußeren Haarzellen als biologischer Verstärker wirken und sehr leise Töne hörbar machen können. Fehlt das Protein, verlieren die Haarzellen ihre stabile Ankopplung an die Tektorialmembran. In genetisch veränderten Mäusen führt dies zu einem schweren Hörverlust und zum Ausfall der Verstärkerfunktion der Hörschnecke.

Das Team um Dennis Derstroff und Prof. Dr. Katrin Reimann von der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde sowie Prof. Dr. Dominik Oliver vom Institut für Physiologie und Pathophysiologie konnte zeigen, dass TMEM145 eine ringförmige Struktur an den Spitzen der Stereozilien bildet und dort die mechanische Organisation übernimmt.

Symbolbild. Credits: Andrea Piacquadio/ Pexels
Symbolbild. Credits: Andrea Piacquadio/ Pexels

Die Ergebnisse liefern neue Einblicke in den Mechanismus des Hörens und könnten langfristig für die Diagnostik und Therapie von Hörstörungen relevant werden. TMEM145 kommt als weiteres Kandidaten-Gen für genetische Hörverluste infrage. Das Mausmodell deutet zudem auf ein therapeutisches Zeitfenster hin, in dem gentherapeutische Ansätze noch wirksam sein könnten, bevor bleibende Schäden entstehen.

Die Studie ist ein Beispiel für die enge Verzahnung von klinischer Medizin und molekularer Grundlagenforschung an der Universität Marburg. Sie entstand in enger Zusammenarbeit mit internationalen Partnern, darunter der Harvard Medical School in Boston und dem University College London. Gefördert wurde die Arbeit von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem britischen Medical Research Council und den National Institutes of Health (USA).

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Neuron“ veröffentlicht.

Original Paper:

TMEM145 is a principal component of outer hair cell stereocilia: Neuron


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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