Protein IMP2 in Makrophagen fördert Tumorwachstum

von | März 5, 2026 | Forschung, Gesundheit

Das Protein IMP2 (Insulin-like growth factor 2 mRNA-binding protein 2) spielt in tumorassoziierten Makrophagen eine entscheidende Rolle bei der Förderung des Tumorwachstums. Forschende um Professorin Alexandra K. Kiemer von der Universität des Saarlandes konnten in Zellkulturmodellen zeigen, dass Makrophagen in der Tumorumgebung, die IMP2 bilden, das Wachstum von Krebszellen beschleunigen. Fehlt IMP2 in diesen Immunzellen, wächst der Tumor deutlich langsamer.

Makrophagen – die Fresszellen des Immunsystems – können in der Tumormikroumgebung umgepolt werden und unterstützen statt zu bekämpfen das Krebswachstum. Frühere Arbeiten des Teams hatten bereits gezeigt, dass Tumorzellen mit Hilfe von IMP2 Makrophagen rekrutieren und in tumorfördernde Zellen umprogrammieren. In der aktuellen Studie nahmen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gezielt IMP2 in den Makrophagen selbst in den Blick.

In Experimenten mit ko-kultivierten Krebszellen und Makrophagen wuchsen Tumore signifikant schneller, wenn die Makrophagen IMP2 exprimierten. Fehlte das Protein in den Makrophagen, verlangsamte sich das Tumorwachstum deutlich – allein durch diesen genetischen Eingriff. Die Forschenden vermuten, dass IMP2 die Beweglichkeit der Makrophagen erhöht und ihnen das Eindringen in den Tumor erleichtert.

Professorin Alexandra K. Kiemer forscht mit ihrem Team daran, die Rolle des Proteins IMP2 besser zu verstehen. Ziel ist, Schwachstellen von Krebs für neue Therapiestrategien auszunutzen. | Quelle: Foto: Oliver Dietze | Copyright: Universität des Saarlandes
Professorin Alexandra K. Kiemer forscht mit ihrem Team daran, die Rolle des Proteins IMP2 besser zu verstehen. Ziel ist, Schwachstellen von Krebs für neue Therapiestrategien auszunutzen. | Quelle: Foto: Oliver Dietze | Copyright: Universität des Saarlandes

Ein Schlüsselmechanismus liegt im Fettstoffwechsel: Makrophagen mit IMP2 zeigten eine veränderte Lipidzusammensetzung ihrer Zellmembranen, die flüssiger und damit beweglicher wurden – vergleichbar mit Öl statt fester Butter. Diese erhöhte Membranfluidität könnte den Makrophagen helfen, sich rascher durch das Gewebe zu bewegen und den Tumor aktiv zu unterstützen.

IMP2 sei in der Tumorumgebung nicht nur in den Krebszellen selbst relevant, sondern gerade auch in den umliegenden Immunzellen, erklärte Alexandra K. Kiemer, Professorin für Pharmazeutische Biologie. Das Protein schaffe eine tumorfreundliche Mikroumgebung, indem es Makrophagen mobilisiere und ihre tumorfördernden Eigenschaften verstärke.

Die Ergebnisse, die im „International Journal of Biological Sciences“ erschienen sind, eröffnen langfristig neue therapeutische Ansätze: Eine gezielte Hemmung von IMP2 in tumorassoziierten Makrophagen könnte das Tumorwachstum bremsen, ohne die normale Immunabwehr stark zu beeinträchtigen.

Parallel wurde in einer weiteren Studie desselben Forschungsumfelds (International Journal of Cancer, DOI: 10.1002/ijc.70340) die Rolle von IMP2 in anderen Zelltypen der Tumormikroumgebung bestätigt. Auch dort beeinflusst das Protein zentrale Prozesse wie Stoffwechsel und Zellmotilität in der Wechselwirkung zwischen Tumor- und Immunzellen.

Original Paper:

IGF2BP2 Deficiency in Macrophages Impairs Migration, Reprograms Metabolism, and Limits Tumor Progression


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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