DGIM fordert europäische Perspektive für Paradigmenwechsel in der Inneren Medizin

von | März 4, 2026 | Forschung, Gesundheit, Politik

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) plädiert angesichts wachsender Herausforderungen im Gesundheitswesen für eine stärkere europäische Zusammenarbeit. Fachkräftemangel, demografischer Wandel, Multimorbidität und kostenintensive medizinische Innovationen erfordern einen grundlegenden Wandel der internistischen Versorgung – ein Prozess, der nicht national allein bewältigt werden könne, sondern eine europäische Perspektive brauche.

Der 132. Internistenkongress vom 18. bis 21. April in Wiesbaden steht unter dem Motto „Paradigmenwechsel in der Inneren Medizin – die Zukunft gestalten“. Die Eröffnungs-Pressekonferenz trägt den Titel „Die Zukunft der Medizin ist grenzenlos“. Im Zentrum stehen die Weiterentwicklung von Weiterbildung und Versorgungsstrukturen im europäischen Kontext. Die Veranstaltung wird unter anderem durch die European Federation of Internal Medicine (EFIM), die Österreichische und Schweizerische Gesellschaft für Innere Medizin sowie erstmals das Royal College of Physicians aus Großbritannien unterstützt.

Symbolbild. Credits: Pixabay
Symbolbild. Credits: Pixabay

Laut Statistik der Bundesärztekammer besitzen bereits mehr als 15 Prozent der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland eine ausländische Staatsangehörigkeit, überwiegend aus anderen EU-Ländern, Syrien und der Türkei. Gleichzeitig scheidet in den kommenden Jahren ein großer Teil der Ärzteschaft altersbedingt aus. Die DGIM betont, dass die Sicherung der medizinischen Versorgung zunehmend auf internationale Mobilität angewiesen ist – sowohl in der Pflege als auch in der Ärzteschaft. Voraussetzung sei jedoch eine hochwertige und vergleichbare Weiterbildung.

Dr. med. Irmengard Meyer, Sprecherin der „Jungen DGIM“, hebt hervor, dass viele junge Ärztinnen und Ärzte im Rahmen ihrer Weiterbildung Auslandserfahrungen sammeln und dabei auf effizientere Strukturen stoßen. In Ländern wie der Schweiz und den Niederlanden seien strukturierte Rotationen zwischen Krankenhäusern unterschiedlicher Versorgungsstufen national einheitlich geregelt, während in Deutschland föderal bedingte Unterschiede zwischen den Landesärztekammern bestehen. Meyer plädiert für eine stärkere Harmonisierung der Weiterbildungsinhalte und -abläufe in Europa, um Mobilität zu erleichtern und Qualität zu sichern.

Europäische Kooperationen zeigten bereits Erfolge, etwa bei Leitlinienprojekten und Netzwerken für seltene Erkrankungen. Internationale Erfahrungen brächten neue Perspektiven, ergänzende Behandlungsansätze und höhere berufliche Zufriedenheit. Die „Junge DGIM“ intensiviert daher die Zusammenarbeit mit den Young Internists der EFIM und fördert Austauschprogramme.

Prof. Dr. Dr. med. Dagmar Führer-Sakel, Vorsitzende der DGIM 2025/2026 und Präsidentin des Kongresses, unterstreicht, dass der Paradigmenwechsel durch neue Therapien, Digitalisierung und veränderte Versorgungsbedarfe nicht im nationalen Alleingang gestaltet werden sollte. Erfolgreiche Konzepte anderer Länder – etwa in Prävention, Datasharing, Interprofessionalität, klinischen Studien und der Versorgung seltener Erkrankungen – könnten wichtige Impulse geben. Eine nachhaltige Neuausrichtung des Gesundheitswesens erfordere zudem eine stärkere Verankerung der Prävention und den bewussten, ressourcenorientierten Einsatz neuer Technologien und Strukturen zum Nutzen der Bevölkerung.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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