Biomarker Durchbruch: Schutzprotein REST und NAD⁺ bieten Hoffnung bei Alzheimer
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Oslo hat einen zentralen Mechanismus entdeckt, der erklären könnte, warum manche ältere Menschen trotz hohem Alter vor Alzheimer geschützt bleiben. Im Mittelpunkt steht das Protein REST, das im Gehirn schützend wirkt und bei Alzheimer-Patienten stark reduziert ist. Die Studie zeigt zudem, dass die Gabe von NAD⁺-Vorläufern die REST-Spiegel in Mausmodellen erhöht, den Gedächtnisverlust verlangsamt und die Abfallbeseitigung im Gehirn verbessert. Die Ergebnisse erschienen am 19. Februar 2026 im Fachjournal BRAIN unter dem Titel „Loss of REST associated with Alzheimer’s disease pathology is ameliorated by NAD+“.
Das fünfjährige Projekt unter Federführung von Associate Professor Evandro Fang-Stavem untersuchte, warum REST-Level im Alter natürlicherweise sinken, bei vielen gesunden Hochbetagten jedoch vergleichsweise hoch bleiben. Bei Alzheimer-Patienten hingegen ist REST deutlich vermindert. Dieser Mangel trägt zur Anhäufung von Abfallstoffen im Gehirn bei, mindert die Energieversorgung der Nervenzellen und fördert den Gedächtnisverlust.
Frühere Arbeiten des Teams hatten bereits gezeigt, dass das Molekül NAD⁺ eine Schlüsselrolle im Alterungsprozess spielt und in Tiermodellen der Alzheimer-Krankheit positive Effekte entfaltet. In der aktuellen Studie testeten die Forschenden, ob NAD⁺-Vorläufer die Expression des Schutzproteins REST steigern können. Die Ergebnisse waren vielversprechend: Die Behandlung erhöhte die REST-Aktivität im Gehirn, verbesserte die Clearance von Abfallprodukten und verlangsamte den kognitiven Abbau.
Die Autoren sehen darin einen wichtigen Fortschritt. Erstmals konnte gezeigt werden, dass NAD⁺ die Expression von REST induziert. Dies vertiefe das Verständnis der Wirkmechanismen von NAD⁺ und stütze die wissenschaftliche Grundlage laufender klinischer Studien mit NAD⁺-basierten Ansätzen. Gleichzeitig eröffne sich die Perspektive neuer therapeutischer und diagnostischer Strategien gegen Alzheimer.

REST könnte künftig als Biomarker dienen. Frühere Arbeiten, etwa vom King’s College London, hatten bereits darauf hingedeutet, dass REST-Level zur Früherkennung der Krankheit genutzt werden könnten, möglicherweise sogar über Bluttests. Eine frühere Diagnose würde die Behandlungschancen erheblich verbessern.
Die Erkenntnisse gehen über Alzheimer hinaus. Da REST Nervenzellen schützt und ihre Funktion erhält, könnte das Protein auch in anderen neurodegenerativen Erkrankungen eine Rolle spielen. NAD⁺-Vorläufer böten damit potenziell eine Möglichkeit, den Verlauf verschiedener neurologischer Krankheiten zu verlangsamen.
Die Studie entstand in enger internationaler Kooperation. Zu den beteiligten Einrichtungen gehören neben der Universität Oslo das Oslo University Hospital, die NTNU Trondheim, die Ji-Nan University in China sowie die University of Oxford. Die Erstautorinnen und -autoren sind Maria J. Lagartos-Donate, Beatriz Escobar-Doncel, Shi-qi Zhang und Alexander Anisimov. Finanziert wurde das Projekt unter anderem von der Civitan Norway’s Alzheimer’s Disease Research Foundation, der South-Eastern Norway Regional Health Authority und dem Cure Alzheimer’s Fund aus den USA.
Original Paper:
Maria J Lagartos-Donate, Beatriz Escobar-Doncel, Shi-qi Zhang, Jun-ping Pan, Noemí Villaseca González, Alexander Anisimov, Nicola P Montaldo, Vidar Jensen, Lipeng Mao, Bailei Li, Nuria Banzon-Pereira, Liu Shi, Shu-qin Cao, Domenica Caponio, Pingjie Wang, Rajeevkumar Raveendran Nair, Oscar Junhong Luo, Guobing Chen, Alejo J Nevado-Holgado, Noel Buckley, Hilde Loge Nilsen, Evandro Fei Fang, Loss of REST associated with Alzheimer’s disease pathology is ameliorated by NAD+, Brain, 2026;, awaf261, https://doi.org/10.1093/brain/awaf261
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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