Deutscher Krebskongress 2026: Krebsversorgung braucht Nachbesserung der Reformen und junge Talente

von | Feb. 19, 2026 | Forschung, Gesundheit

Vom 18. bis 21. Februar 2026 findet im CityCube Berlin der Deutsche Krebskongress (DKK) statt – der größte onkologische Fachkongress in Deutschland. Unter dem Motto „zusammen – gezielt – zukunftsfähig“ diskutieren mehr als 300 wissenschaftliche Sitzungen mit allen an der Krebsversorgung Beteiligten, wie Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge verbessert werden können.

In Zeiten knapper Finanzmittel der gesetzlichen Krankenversicherung und zunehmendem Fachkräftemangel steht die Krebsversorgung vor großen Herausforderungen. Gleichzeitig werden Therapien immer spezialisierter und erfordern hohes Fachwissen. Auf der Eröffnungspressekonferenz wurde deutlich, dass die aktuellen gesundheitspolitischen Reformen nicht ausreichen, um die Versorgung zukunftsfest zu machen. Gefordert werden Nachbesserungen der Krankenhausreform, stärkere Netzwerkstrukturen, mehr Prävention und die Gewinnung neuer Talente mit frischen Ideen.

Jede zweite Person in Deutschland erkrankt im Laufe ihres Lebens an Krebs. Schätzungen der OECD zufolge steigt die Krebsneuerkrankungsrate bis 2040 in allen EU-Ländern um 18 Prozent gegenüber 2022. Kongresspräsidentin Professorin Anke Reinacher-Schick betonte die Notwendigkeit interdisziplinärer und intersektoraler Zusammenarbeit sowie einer stärkeren Patientenzentrierung. Zielgerichtete Behandlung schließe personalisierte Therapien und risikoadaptierte Früherkennung ein, etwa bei familiärem Brust-, Eierstock- oder Darmkrebs.

Symbolbild. Credits: freepik
Symbolbild. Credits: freepik

Besonderes Augenmerk gilt der Nachwuchsförderung. Das Programm wurde deutlich ausgebaut, unter anderem mit „Speeddating“ onkologischer Fachdisziplinen, „Meet the Expert“-Formaten und Workshops zu Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Frauen in Führungspositionen. Im Shadow-Guide-Format können junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Mentoren im Programm auftreten. Noch nie sei ein Krebskongress so stark auf junge Talente ausgerichtet gewesen, so Reinacher-Schick.

Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, Professor Michael Ghadimi, forderte eine Kehrtwende bei der Krankenhausreform. Die aktuellen Pläne bergen das Risiko, dass Krebspatienten weiterhin in nicht ausreichend qualifizierten Kliniken behandelt werden. Notwendig seien höhere Qualitätsanforderungen für onkologische Leistungsgruppen, verbindliche Mindestmengen in der Onkochirurgie und weniger Ausnahmen auf Länderebene. Zertifizierte Krebszentren erzielen nachweislich bessere Ergebnisse und längere Überlebenszeiten bei geringeren Kosten für die Solidargemeinschaft.

Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe, betonte, jede Krebspatientin und jeder Krebspatient solle zunächst in einem Comprehensive Cancer Center (CCC) oder einem zertifizierten Krebszentrum behandelt werden. Solange die Akuttherapie an jedem Krankenhaus möglich bleibe, seien Qualitätsprobleme vorprogrammiert. Gleichzeitig müssten Spitzenzentren, zertifizierte Krebszentren, onkologische Praxen und Hausärzte besser vernetzt werden, um Innovationen rasch in die Fläche zu tragen. Mit den Programmen „ONCOnnect“ und „Modelle für eine optimierte dezentrale onkologische Versorgung“ reagiere die Deutsche Krebshilfe bereits auf diese Defizite.

Tatjana Loose, die 2015 an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte, riet Betroffenen, sich in zertifizierten Zentren behandeln zu lassen – auch wenn ein längerer Anfahrtsweg nötig sei. Nur dort sei eine interdisziplinäre, leitliniengerechte Therapie auf aktuellem Stand gewährleistet.

Professor Sascha Dietrich, Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Klinische Immunologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, erläuterte Fortschritte bei Immuntherapien. Diese unterstützen das Immunsystem gezielt dabei, Krebszellen zu erkennen und zu bekämpfen. Zu den Ansätzen zählen bispezifische Antikörper, CAR-T-Zell-Therapien und therapeutische Krebsimpfungen. Letztere – etwa mRNA-basierte Impfstoffe – werden individuell an den Tumor angepasst. Erste Erfolge gebe es beim malignen Melanom; für das Pankreaskarzinom werde intensiv geforscht. Künftig werde Krebs wahrscheinlich mit Kombinationen aus Impfungen, anderen Immuntherapien, Medikamenten, Operationen und Bestrahlungen behandelt.

Der Deutsche Krebskongress wird alle zwei Jahre in Berlin von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Stiftung Deutsche Krebshilfe organisiert. Weitere Informationen unter www.dkk2026.de.

Mehr dazu:

37. Deutscher Krebskongress 2026


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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