Cochrane-Review: Intervallfasten bringt bei Übergewicht kaum mehr Gewichtsverlust als andere Diäten
Intervallfasten führt bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas wahrscheinlich zu keinem oder nur minimal höheren Gewichtsverlust als herkömmliche Diäten mit kontinuierlicher Kalorienreduktion. Verglichen mit keiner strukturierten Ernährungsumstellung ist ein kleiner Effekt wahrscheinlich. Das ergibt ein neuer systematischer Cochrane-Review, der am heutigen Montag veröffentlicht wurde.
Die Auswertung umfasst 21 randomisiert kontrollierte Studien mit insgesamt 1430 Teilnehmenden für den Vergleich mit anderen Diäten. Dabei zeigte sich möglicherweise kein oder nur ein geringfügiger Unterschied im Körpergewicht. Die Autoren bewerten die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz als niedrig, unter anderem wegen methodischer Schwächen und kleiner Stichproben in vielen Studien.
Beim Vergleich mit keiner gezielten Ernährungsintervention (sechs Studien, 427 Teilnehmende) ergab sich wahrscheinlich ein durchschnittlich etwa 3,4 Prozent höherer Gewichtsverlust durch Intervallfasten. Diese Evidenz stuften die Autoren als moderat vertrauenswürdig ein. Bei einem Ausgangsgewicht von 100 Kilogramm würde das etwa 3,4 Kilogramm mehr bedeuten. Klinisch bedeutsam gilt in Leitlinien jedoch meist ein Verlust von mindestens fünf Prozent.
Der Review fasst verschiedene Formen des Intervallfastens zusammen, darunter zeitlich begrenztes Essen (meist 8 bis 10 Stunden Essensfenster pro Tag), periodisches Fasten (ein bis zwei Fastentage pro Woche), alternierendes Fasten (Wechsel von Fasten- und normalen Tagen) sowie modifizierte Varianten wie die 5:2-Diät (zwei Tage stark reduzierte Kalorienzufuhr pro Woche).

Fast alle eingeschlossenen Studien liefen nur sechs bis zwölf Monate. Aussagen zu langfristigem Gewichtserhalt, zur Zufriedenheit und Durchhaltefähigkeit im Alltag, zu unerwünschten Wirkungen sowie zu Effekten auf Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes sind daher nicht möglich.
„Für manche Menschen kann Intervallfasten eine Option sein“, erklärte Luis Garegnani, Direktor des Cochrane-Zentrums am Universidad Hospital Italiano de Buenos Aires und einer der Autoren. Die derzeitige Evidenz rechtfertige jedoch nicht die starke Begeisterung in Sozialen Medien.
Prof. Dr. Jörg Meerpohl, wissenschaftlicher Vorstand von Cochrane Deutschland in Freiburg, ergänzte, dass Daten zu langfristigen gesundheitlichen Vorteilen fehlten. Auch ob Intervallfasten Risiken von Übergewicht nachhaltig senke, bleibe unklar.
In Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (Daten 2019/2020) fast die Hälfte der Frauen und mehr als die Hälfte der Männer von Übergewicht (einschließlich Adipositas) betroffen, knapp ein Fünftel der Erwachsenen ist adipös.
Original Paper:
Intermittent fasting for adults with overweight or obesity – Garegnani, LI – 2026 | Cochrane Library
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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