Mechanismus seltener Hirnvenenthrombosen nach COVID-19-Vektor-Impfstoffen entschlüsselt

von | Feb. 13, 2026 | Forschung, Gesundheit

Ein Forschungsteam der Universitätsmedizin Greifswald hat gemeinsam mit Partnern aus Australien und Kanada den Mechanismus aufgeklärt, der in extrem seltenen Fällen Hirnvenenthrombosen nach Impfungen mit vektorbasierten COVID-19-Impfstoffen auslöst. Die Erkenntnisse, die in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden, eröffnen Wege, solche Impfstoffe künftig noch sicherer zu gestalten.

Bereits 2021 hatte das Team um Prof. Andreas Greinacher weltweit Beachtung gefunden, als es die Ursache für sehr seltene thrombotische Komplikationen nach Vektorimpfstoffen identifizierte. Nun zeigt die neue Studie: Fast jeder Mensch bildet im Laufe des Lebens durch natürliche Infektionen – etwa Schnupfenviren – Antikörper gegen das Adenovirus-Protein VII. Bei erneutem Kontakt mit Adenoviren werden diese Antikörper reaktiviert. In extrem seltenen Fällen kommt es dabei zu einer Mutation in einzelnen antikörperproduzierenden Zellen.

Das Forschungsteam um Prof. Dr. Greinacher: Dr. Linda Schönborn (v.li.), Prof. Dr. Andreas Greinacher, Prof. Dr. Thomas Thiele, Dr. Luisa Müller und Dipl.-Biol. Jan Wesche. | Quelle: Foto: UMG/Annina Rehbein | Copyright: Unimedizin Greifswald
Das Forschungsteam um Prof. Dr. Greinacher: Dr. Linda Schönborn (v.li.), Prof. Dr. Andreas Greinacher, Prof. Dr. Thomas Thiele, Dr. Luisa Müller und Dipl.-Biol. Jan Wesche. | Quelle: Foto: UMG/Annina Rehbein | Copyright: Unimedizin Greifswald 

Bei Personen mit einer bestimmten genetischen Veranlagung bindet der veränderte Antikörper nicht mehr an Protein VII, sondern irrtümlich an den Plättchenfaktor 4 (PF4). Dadurch werden Blutplättchen aktiviert und es entstehen Gerinnsel in Hirnvenen. Die Co-Autorin Dr. Linda Schönborn vergleicht den Vorgang mit einem Schlüssel, dessen Zacken sich verändern und plötzlich in ein anderes Schloss passen. Diese Kombination aus zufälliger Mutation und genetischer Prädisposition sei so unwahrscheinlich, dass das Risiko für die Komplikation äußerst gering bleibe.

Patienten aus ganz Deutschland stellten dem Team Blutproben zur Verfügung, was die detaillierte Aufklärung des immunologischen Mechanismus ermöglichte. Die zentrale Erkenntnis für die Impfstoffentwicklung: Die verantwortliche Stelle im Protein VII des Vektors kann gezielt modifiziert werden, um das Risiko künftig auszuschließen. Besonders relevant sei dies für Regionen, in denen Vektorimpfstoffe gegen lebensbedrohliche Erkrankungen wie Ebola eingesetzt werden.

Prof. Andreas Greinacher, Leiter der Studie, betonte die Bedeutung für die Zukunft: Durch solche Anpassungen ließen sich Vektorimpfstoffe für alle Anwender sicherer machen, ohne die Wirksamkeit zu beeinträchtigen.

Original Paper:

Adenoviral Inciting Antigen and Somatic Hypermutation in VITT | New England Journal of Medicine


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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