Biomarker sagen Ansprechen auf Checkpoint-Inhibitoren bei PML voraus

von | Feb. 11, 2026 | Forschung, Gesundheit

Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben Biomarker identifiziert, die vorhersagen können, welche Patienten mit progressiver multifokaler Leukenzephalopathie (PML) von einer Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) profitieren. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift JAMA Neurology veröffentlicht.

PML ist eine seltene, aber meist tödlich verlaufende Gehirninfektion, die durch das humane Polyomavirus 2 (JC-Virus) ausgelöst wird. Sie tritt vor allem bei stark geschwächtem Immunsystem auf und zerstört das Hirngewebe innerhalb weniger Wochen. Eine Behandlungsoption ist die Gabe von Checkpoint-Inhibitoren, die das Immunsystem reaktivieren. Der Erfolg ist jedoch sehr unterschiedlich, und schwere Nebenwirkungen sind möglich. Bislang gab es keine verlässlichen Vorhersagen, wer von der Therapie profitiert.

Das interdisziplinäre Team um Prof. Dr. Thomas Skripuletz (Klinik für Neurologie mit Klinischer Neurophysiologie) wertete Daten von 111 PML-Patienten aus 39 Kliniken weltweit aus, die zwischen 2021 und 2024 mit ICI behandelt wurden. Bei einem Teil der Betroffenen wurde vor Therapiebeginn im Blut geprüft, ob funktionelle, JC-Virus-spezifische T-Zellen vorhanden waren.

Prof. Dr. Britta Eiz-Vesper und Prof. Dr. Thomas Skripuletz analysieren am Bildschirm die Ergebnisse eines Tests, der Virus-spezifische T-Zellen im Blut eines PML-Patienten sichtbar macht. | Copyright: Karin Kaiser/MHH.
Prof. Dr. Britta Eiz-Vesper und Prof. Dr. Thomas Skripuletz analysieren am Bildschirm die Ergebnisse eines Tests, der Virus-spezifische T-Zellen im Blut eines PML-Patienten sichtbar macht. | Copyright: Karin Kaiser/MHH.

Die Auswertung ergab klare Unterschiede:

  • Patienten mit nachweisbaren Virus-spezifischen T-Zellen zeigten während und nach der ICI-Behandlung deutlich höhere Ansprechraten, bessere funktionelle Verläufe, niedrigere Viruslasten im Liquor und eine signifikant höhere Überlebenswahrscheinlichkeit.
  • Gleichzeitig traten bei ihnen weniger immunvermittelte Nebenwirkungen auf.

Bei Patienten ohne diese T-Zellen war die ICI-Therapie meist weniger wirksam. Die MHH bietet hier eine Alternative: Im alloCELL-Register werden Virus-spezifische T-Zellen von gesunden Spendern gesammelt und passgenau isoliert. Diese allogenen DIAVIS-T-Zellen können bei fehlender eigener Immunität infundiert werden. Dank des Registers und der hohen Produktionskapazität stehen geeignete Präparate innerhalb weniger Tage zur Verfügung – auch für Zentren im Ausland.

Die Studie zeigt erstmals in einer größeren Kohorte, dass ein einfacher Bluttest auf JC-Virus-spezifische T-Zellen als Biomarker dienen kann. Er identifiziert Patienten, bei denen Checkpoint-Inhibitoren besonders wahrscheinlich wirksam und besser verträglich sind. Die Ergebnisse bestätigen die entscheidende Rolle der vorhandenen antiviralen Immunität und machen den Test zu einem potenziellen Standard vor ICI-Therapiebeginn. Ziel ist es, die Erkenntnisse rasch in die klinische Praxis zu überführen und die Behandlung von PML gezielter und sicherer zu gestalten.

Original paper:

Virus-Specific T Cells and Response to Checkpoint Inhibitors in Progressive Multifocal Leukoencephalopathy | Neurology | JAMA Neurology | JAMA Network


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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