DEGAM: Genug Hausärzte für Primärversorgungssystem vorhanden

von | Feb. 6, 2026 | Gesundheit, Politik

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) hat ein neues Positionspapier veröffentlicht, in dem sie die These widerlegt, es gebe nicht ausreichend Hausärzte für ein hausärztlich geleitetes Primärversorgungssystem in Deutschland.

Die DEGAM argumentiert darin, dass mit den vorhandenen personellen Ressourcen ein solches System umsetzbar ist, sofern drei zentrale Voraussetzungen erfüllt werden: Reduzierung unnötiger Arbeitsbelastungen durch schlankere Bürokratie, konsequente Fokussierung der ärztlichen Arbeitszeit auf qualitativ hochwertige Versorgung (High Value Care), sowie klare Abgabe definierter Aufgaben an andere Gesundheitsberufe.

Mit einer Patientenverfügung kann im Voraus festgelegt werden, welche medizinischen Behandlungen in bestimmten Situationen erlaubt sind oder abgelehnt werden. Symbolbild. Credits: Pixabay
Symbolbild. Credits: Pixabay

Das Positionspapier nennt konkrete Beispiele für derzeitige ineffiziente Tätigkeiten, die viel Zeit binden, aber nur geringen oder keinen nachweisbaren Nutzen für die Patienten haben (Low Value Care). Dazu zählen unter anderem übermäßige Konsultationen allein für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen bei einfachen Infekten, quartalsbezogene Wiedervorstellungen ohne medizinische Notwendigkeit sowie umstrittene Präventionsleistungen.

Die DEGAM betont zudem das Potenzial der Teamarbeit in Hausarztpraxen. Bereits heute erfolge vieles im Team, und mit den neuen akademischen nichtärztlichen Gesundheitsberufen stünden weitere Kräfte zur Verfügung. Dafür seien jedoch passende rechtliche und administrative Rahmenbedingungen erforderlich. Die Gesellschaft fordert, über die Vergütung finanzielle Anreize zu schaffen, um die Delegation von Tätigkeiten an nichtärztliches Fachpersonal deutlich zu stärken.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der konsequente Abbau von Bürokratie. Umständliche Formulare, ineffiziente Schnittstellen zwischen den Sektoren und unzureichende Digitalisierung binden nach Ansicht der DEGAM wertvolle Zeit, die stattdessen für ärztliche Kernaufgaben genutzt werden könnte.

Die DEGAM verweist darauf, dass ein Primärversorgungssystem international seit Jahren mit besserer Versorgungsqualität, weniger Krankenhauseinweisungen und geringeren Kosten verbunden ist. In Deutschland gebe es mit der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) bereits ein erfolgreiches Modell, das in mehreren Bundesländern rund 10 Millionen eingeschriebene Patienten umfasst. Aktuell gewinne die Einführung eines flächendeckenden Primärversorgungssystems auch politisch an Unterstützung.

Das Positionspapier trägt den Titel „Genug Hausärztinnen & Hausärzte? Ja, in einem hausärztlich geleiteten Primärversorgungssystem!“ und ist auf der DEGAM-Website abrufbar.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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