Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin warnt vor Einschränkung des Rechts auf selbstbestimmtes Sterben

von | Feb. 3, 2026 | Gesundheit, Politik

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) sieht in einer möglichen neuen gesetzlichen Regelung zum ärztlich assistierten Suizid eine Gefahr für das Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020. Eine Neuregelung könnte das Recht auf selbstbestimmtes Sterben in wesentlichen Punkten wieder einschränken und faktisch einem Verbot gleichkommen. Das teilte die DGS am 2. Februar 2026 mit.

Das Bundesverfassungsgericht hatte 2020 das Verbot der Suizidhilfe (§ 217 StGB) aufgehoben und jedem Menschen das Recht auf selbstbestimmtes Sterben zugesprochen – einschließlich der Möglichkeit, Hilfe durch Dritte in Anspruch zu nehmen, solange die Entscheidung frei, einsichtig und ohne äußeren Druck getroffen wird. Die DGS hält diese offene Regelung für ausreichend und sieht keinen Bedarf an einer gesetzlichen Neuregelung.

Symbolbild. Credits: Geralt/Pixabay
Symbolbild. Credits: Geralt/Pixabay

Die Gesellschaft kritisiert Bestrebungen, die Hürden für ärztlich assistierten Suizid so hoch zu setzen, dass sie praktisch unerreichbar werden. Solche Tendenzen gingen vor allem von religiösen, psychiatrisch-medizinischen oder konservativen Positionen aus und würden das Urteil des Verfassungsgerichts unterlaufen.

In der palliativmedizinischen Versorgung und in einer alternden Gesellschaft mit hohem Anspruch an Lebensqualität äußern immer mehr Patienten den Wunsch nach assistiertem Suizid. Ärzte müssen prüfen, ob der Wunsch wirklich freier Wille ist. Besonders komplex ist dies bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen. Das Bundesverfassungsgericht hat jedoch klargestellt, dass der Wille des Einzelnen keiner Bewertung nach allgemeinen Wertvorstellungen, religiösen Geboten oder gesellschaftlichen Leitbildern unterliegt und nicht unter Generalverdacht mangelnder Freiheit oder Reflexion gestellt werden darf.

Die DGS wird das Thema auf den Deutschen Schmerz- und Palliativtagen vom 19. bis 21. März 2026 in Frankfurt/Main vertiefen. In einer Podiumsdiskussion am 20. März (14–15.30 Uhr) diskutieren Experten unter Leitung von Dr. Carsten Brau und Dr. Michael Überall die rechtlichen, ethischen und praktischen Konsequenzen für die ärztliche Praxis. Ziel ist es, Ärzten mehr Handlungssicherheit zu geben und zur Meinungsbildung in der Fachwelt beizutragen.

Die Deutschen Schmerz- und Palliativtage erwarten über 2.000 Fachleute zu mehr als 90 Sessions zu Themen wie Prävention, Diagnostik und Therapie chronischer Schmerzen, Cannabinoide, Opioide, Schlafmedizin, Psychologie, Palliativversorgung, KI-Anwendungen und Gesundheitspolitik.

Die DGS ist mit 4.035 Mitgliedern und 121 Schmerzzentren die führende Fachgesellschaft für die Versorgung chronisch Schmerzkranker. Sie fördert interdisziplinären Austausch, praxisnahe Fortbildung und die Weiterentwicklung der Schmerz- und Palliativmedizin.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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