Weltkrebstag: Forderung nach Recht auf Vergessenwerden für junge Krebsüberlebende

von | Feb. 2, 2026 | Forschung, Gesundheit, Politik

Unter dem Motto „United by Unique“ rückt der Weltkrebstag am 4. Februar 2026 die individuellen Lebensrealitäten von Menschen mit Krebs in den Mittelpunkt. Für junge Erwachsene zwischen 18 und 39 Jahren endet die Belastung durch eine überstandene Krebserkrankung oft nicht mit der medizinischen Heilung. Viele stoßen bei Versicherungsabschlüssen, Kreditvergaben, Verbeamtungen oder Adoptionsverfahren auf anhaltende Benachteiligung. Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs (DSfjEmK) und die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. (DGHO) fordern ein gesetzliches Recht auf Vergessenwerden, um diese strukturelle Diskriminierung zu beenden.

Eine Krebsdiagnose in jungen Jahren trifft Betroffene in einer entscheidenden Lebensphase: Ausbildung, Berufseinstieg, finanzielle Selbstständigkeit und Familienplanung. Auch Jahre oder Jahrzehnte nach der Heilung wirkt die Krankheitsgeschichte als soziales Stigma fort. Bei privaten Krankenversicherungen drohen extrem hohe Beiträge oder Ablehnungen, berufliche Wünsche bleiben unerfüllt, und bürokratische Hürden führen zu erneuter psychischer Belastung.

Darmkrebs kann Metastasen in Leber, Lunge und Gehirn bilden. | Copyright: Copyright: pixabay, Karin Kaiser/MHH
Darmkrebs kann Metastasen in Leber, Lunge und Gehirn bilden. | Copyright: Copyright: pixabay, Karin Kaiser/MHH

Die Stiftung setzt sich gemeinsam mit Betroffenen für ein verbindliches Recht auf Vergessenwerden ein: Nach einer Heilungsbewährungsfrist von fünf Jahren ohne Rezidiv soll die frühere Krebserkrankung nicht mehr angegeben oder gegen Betroffene verwendet werden dürfen – etwa bei Versicherungen, Krediten oder Beamtenverhältnissen. In neun EU-Ländern, darunter Frankreich, Belgien und die Niederlande, ist dieses Recht bereits gesetzlich verankert. In Deutschland fehlen bislang entsprechende Regelungen. Ein erster Schritt wäre die zügige Umsetzung der europäischen Verbraucherkreditrichtlinie, die bis November 2025 hätte erfolgen müssen.

Menschenzentrierte Krebsversorgung darf nicht mit der Therapie enden. Die Stiftung entwickelt alle Projekte, Informationsangebote und gesundheitspolitischen Initiativen gemeinsam mit jungen Betroffenen. Ziel ist eine umfassende Teilhabe, die über die medizinische Behandlung hinausgeht und faire Chancen im Alltag sichert.

Die Kampagne „United by Unique“ macht deutlich, dass Krebsversorgung nur dann wirksam und gerecht ist, wenn die Erfahrungen der Betroffenen konsequent einbezogen werden – in Medizin, Psychosozialem und Politik. Die Stiftung arbeitet seit ihrer Gründung 2014 durch die DGHO eng mit über 1.000 jungen Betroffenen zusammen und finanziert ihre Arbeit ausschließlich aus Spenden.

Spendenkonto:
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE37 3702 0500 0001 8090 01
BIC: BFSWDE33XXX


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

Gender-Hinweis. Die in diesem Text verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen. Auf eine Doppel/Dreifachnennung und gegenderte Bezeichnungen wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.

X
Ich bin Invi, wie kann ich dir helfen?