Humanoid Robots Lab: Universität Bonn eröffnet Forschungssupermarkt
Die Universität Bonn hat einen eigenen Supermarkt eröffnet. Auf 55 Quadratmetern Fläche untersuchen Wissenschaftler das Kaufverhalten von Testpersonen. Produkte wie Ananas, Dosentomaten und Semmelknödel sind in schwarzen Regalen sortiert. Der Laden dient rein wissenschaftlichen Zwecken und ist nicht für den öffentlichen Verkauf gedacht. Forscher aus Lebensmittel- und Ressourcenökonomik, Psychologie, Ökonomie und Verhaltensforschung testen dort, wie Produktplatzierung und andere Anreize zu gesundheits- und nachhaltigkeitsorientierten Einkäufen motivieren. Roboter demonstrieren zudem ihre Fähigkeiten beim Beladen der Regale.
Nirgendwo tritt der Supermarkt äußerlich in Erscheinung. Das weiße Gebäude Am Probsthof gibt keine Hinweise auf den Inhalt. Werbung fehlt, da der Markt nur für Studien dient. Teilnehmer werden als Probanden ausgewählt und bewegen sich zwischen den Regalen. Kameras zeichnen die Entscheidungen auf, wobei eine Software Identifikation unmöglich macht. Nur Silhouetten sind erkennbar, um zu ermitteln, ob Testpersonen zu bestimmten Packungsvarianten greifen.
Der Fokus liegt auf Anreizen für gesunde und nachhaltige Produkte. Nirgendwo sonst werden Verbraucher so stark beeinflusst wie im Supermarkt. Forscher prüfen, ob Obst statt Süßigkeiten am Kassenbereich den Absatz steigert. Bananen in der Nähe der Kasse werden ein Drittel häufiger gekauft als an anderen Stellen. Die Studie untersucht, wie Packungen platziert und gestaltet werden müssen, damit nachhaltig produzierte Ware trotz höherer Preise Absatz findet. Tierwohlprodukte sollen trotz Kosten Vorteile erhalten.

Der Supermarkt ist realistischer als virtuelle Modelle. Frühere Experimente der Universität Bonn nutzten Bildschirme, bei denen Probanden einen Einkaufswagen steuerten und Produkte auswählten. Das war stichhaltiger als Umfragen, doch der physische Laden ermöglicht natürliches Verhalten. Teilnehmer fallen leichter in Gewohnheiten, die ausgewertet werden. Impulseinkäufe, die vom Einkaufszettel abweichen, bieten Einblicke.
Das Humanoid Robots Lab der Universität Bonn testet Effizienz beim Beladen. Roboter lernen kundenorientiertes Verhalten. Ergebnisse optimieren Systeme für Supermärkte und häusliche Anwendungen wie Haushaltshilfen oder Pflege. Die Einrichtung entstand durch Beiträge mehrerer Fakultäten und Bereiche. Anschubfinanzierung kam aus zentralen Mitteln, der Agrar-, Ernährungs- und Ingenieurwissenschaftlichen Fakultät, Transdisziplinären Forschungsbereichen Modelling und Sustainable Futures sowie dem Humanoid Robots Lab und dem Centre for Artificial Intelligence.
Interessierte können sich unter einer Website als Testpersonen melden. Nach Registrierung wählen sie Experiment und Zeit aus. Sie erhalten einen Gutschein und dürfen ausgewählte Ware mitnehmen. Übrige Produkte nahe dem Haltbarkeitsdatum gehen an Tafeln oder Hilfsinitiativen, um Nachhaltigkeit zu wahren.
Der Supermarkt adressiert zentrale Fragen des Verbraucherverhaltens. In Zeiten steigender Gesundheits- und Umweltbewusstsein können Erkenntnisse Einfluss auf Handel und Politik nehmen. Studien prüfen, ob gesunde Alternativen an Quengelzonen den Verzehr fördern. Nachhaltige Produkte sollen trotz Preisdifferenz attraktiver werden. Die Methode kombiniert Beobachtung mit Datenschutz und ermöglicht valide Ergebnisse.
Die Einrichtung unterstreicht Bonns Rolle in der Verhaltensforschung. Sie verbindet Ökonomie, Psychologie und Technik. Zukünftige Projekte könnten Roboterintegration erweitern. Der Markt dient als Modell für ähnliche Labore und könnte Standards für nachhaltigen Handel setzen. Die Forschung trägt zur Reduzierung von Überkonsum und Abfall bei. Durch realistische Szenarien gewinnen Ergebnisse an Praxisrelevanz.
Die Eröffnung markiert einen Meilenstein. Forscher erwarten Daten zu Impulsen für bewussten Einkauf. Die Kombination aus Mensch und Maschine öffnet neue Perspektiven. Der Supermarkt könnte langfristig zu gesünderen Ernährungsgewohnheiten beitragen und den Handel umweltfreundlicher gestalten.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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